Fernsehen "Catweazle"-Darsteller Geoffrey Bayldon ist tot

"Sator Arepo Tenet Opera Rotas" - niemand konnte dieses Palindrom zauberhafter aussprechen als Geoffrey Bayldon in seiner Rolle des "Catweazle".

(Foto: imago)

Die Rolle des mittelalterlichen Magiers machte den britischen Schauspieler in den siebziger Jahren zum Fernsehstar. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Nachruf von Martin Zips

Der Schauspieler kam mit der Buslinie 11. Ausgesprochen jugendlich wirkte der Brite im Trenchcoat, trotz seines damals schon hohen Alters. Beim Italiener in Chelsea zog er als Erstes einen der Zettel hervor, von denen er auch im Jahr 2004 noch viele verschickte. "Entschuldigung", stand dort in lustigem Deutsch. "Wegen der Zunahme der organisierten Fan-Post aus Deutschland bedauere ich, daß ich Fotographen bei einer pro Brief jetzt begrenzen muß." Selbst 35 Jahre nach den Dreharbeiten zu jener Fernsehserie, die ihn einst europaweit zum Star machte, wurde Geoffrey Bayldon also noch mit Fan-Post überschüttet. "Meistens zahle ich sogar das Porto selbst", sagte er und ließ seine großen blauen Augen leuchten.

Geoffrey Bayldon wurde 1924 als Sohn eines Schneiders in der Industriestadt Leeds geboren. Die Schauspielerei hatte er bei Laurence Olivier gelernt, ab den 1950er-Jahren trat er vor allem in Shakespeare-Stücken auf. Nebenher verdiente er sein Geld als Nebendarsteller in britischen Fernsehserien und Filmen, bezeichnete sich als "meistbeschäftigten unbekannten Schauspieler der Welt". Er klagte: "Schon mit 20 gab man mir Rollen von 90-Jährigen."

"Catweazle" war anders als andere Serien

Tatsächlich wirkte Bayldon einst älter, als er war. Ein Grund, weshalb ihm sein Freund, der Schauspieler und Autor Richard Carpenter, die Rolle eines mittelalterlichen Magiers auf den Leib schrieb. "Catweazle" zauberte sich in einer TV-Serie versehentlich in die Neuzeit - und fand nicht mehr zurück. Er vertraute sich dem Bauernjungen Harold an. Zwischen den ungleichen Männern entwickelte sich eine Beziehung, in der sich die Grenzen zwischen alt und jung, Lehrer und Schüler, Freund und Feind herrlich verwischten. Vor allem ging es um die Frage: Wie kann, trotz aller Verschiedenheit, trotz aller Probleme, menschliches Zusammenleben gelingen? Die Antwort: mit Humor.

"Catweazle" war anders als andere Serien, und Bayldon spielte die Titelrolle in der Mitte seines Lebens mit einer solchen Inbrunst, dass er überall, wo er auftrat, von Menschenmassen belagert wurde: "Im Catweazle-Kostüm behandelte man mich wie Jesus." Sein optisch einer Hieronymus-Bosch-Figur nachempfundener Zauberer wurde Kult. Und das ganz ohne PR und Merchandising. Auch nach "Catweazle" bekam Bayldon wieder nur kleine Rollen angeboten. Nun hing Catweazle an ihm wie der Zauberdolch Adamcos am Hals des Magiers.

In Zeiten von 3-D-Brille und HD haben es grobkörnige Fernsehserien aus den Siebzigern freilich schwer beim Publikum. Bayldon wiederum plagte zeitlebens die Angst, er müsse es vielleicht ertragen, dass in einer hochaufgelösten Neuverfilmung ein neuer Schauspieler in seine Rolle schlüpft. Passiert ist das nie. Am Mittwoch ist Geoffrey Bayldon im Alter von 93 Jahren in London gestorben.

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