"Fenster zum Sommer" im Kino Ätherisch und geheimnisvoll

Im Laufe der Jahre ist Nina Hoss im deutschen Kino zur Spezialistin für das Limbo zwischen Wachen und Träumen, zwischen Leben und Tod, geworden. In Filmen wie Yella, Das Herz ist ein dunkler Wald oder Wir sind die Nacht wurde sie auf immer neue Weise zur Mittlerin zwischen den Welten, ätherisch und geheimnisvoll, eine Spur unterkühlt und spröde - eine wunderbare Projektionsfläche für Ungreifbares und Übersinnliches.

Diesen Sommer hat Juliane (Nina Hoss) schon einmal erlebt - da war sie gerade frisch verliebt mit August (Mark Waschke) im Sommerurlaub in Finnland.

(Foto: dapd)

Nachdem sie diese transzendenten Zustände vor allem mit Christian Petzold ausgelotet hat, tut sie sich jetzt mit Hendrik Handloegten zusammen, der wiederum schon in seinem Spielfilmdebüt Paul is dead von einer alternativen Wirklichkeit erzählte. Damals wurde ein 13-jähriger Junge in den Sog einer Verschwörungstheorie um Paul McCartney gezogen - die These war, der echte Beatle sei 1966 ermordet und durch einen Doppelgänger ersetzt worden.

Das Science-Fiction-Szenario ist in Fenster zum Sommer ein bloßes Gedankenspiel - der größte Spezialeffekt ist das Wetter, das magische Licht der finnischen Mittsommernächte, und im Kontrast dazu das frostige Grau der Berliner Februartage, die diskret verwirrenden Sirenenklänge des Soundtracks von Timo Hietala beschwören dazu das Unerklärliche. Souverän jongliert Handloegten mit Rückblenden und Erinnerungen, mit verschiedenen Filmmaterialien und Lichtverhältnissen.

Zwischen Fakten und Ahnungen, zwischen brutaler Evidenz und fragiler Flüchtigkeit hält er seinen Film in der Schwebe, hier das Krachen eines Unfalls, der den Tod bringt, dort die flüchtige Berührung in einer überfüllten Trambahn, die der Anfang einer großen Liebe ist. Und dann muss Juliane begreifen, dass es auch für die richtige Liebe den falschen Moment geben kann: Vergeblich versucht sie den ahnungslosen Mann, von dem sie weiß, dass sie ihn liebt, auf sich aufmerksam zu machen. Wenn die Zeit nicht reif ist, dann können zwei Menschen hundert Mal unerkannt aneinander vorbeilaufen. Alles eine Frage der Magie des Augenblicks.

FENSTER ZUM SOMMER, D 2011 - Buch und Regie: Hendrik Handloegten. Kamera: Peter Przybylski. Mit: Nina Hoss, Mark Waschke, Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt. Prokino, 96 Minuten.