Technologie und Politik Warum Europas Populisten Facebook lieben - und was in den USA anders ist

Kompliziert: Rechtspopulisten in den USA sehen Zuckerberg als Teil des linken Establishments, die Linke in den USA sieht ihn als Advokat eines ungezügelten Kapitalismus.

(Foto: REUTERS)

In den USA sehen linke und rechte Bewegungen das Silicon Valley als Feind, in Europa sind die Populisten pragmatischer - oder unreflektierter.

Gastbeitrag von Evgeny Morozov

Die globale Bewegung rechter Populisten hat sich einiges zuschulden kommen lassen. Ideologische Inkohärenz bei der Auswahl ihrer Gegner kann man ihr allerdings nicht vorwerfen. Ob es nun Steve Bannon ist, der verbal auf Papst Franziskus eindrischt, oder Matteo Salvini, der die "Gutmenschen" in Nichtregierungsorganisationen angreift, oder Marine Le Pen, die ihrem Ärger über die einfältigen Technokraten in Brüssel Luft macht. Die rechten Populisten verfolgen wohlkalkulierte Ziele. Sie wählen ihre Gegner sorgfältig aus.

Ein Thema gibt es allerdings, bei dem keine Einigkeit herrscht zwischen amerikanischen Rechtspopulisten und ihren Gesinnungsgenossen im Rest der Welt: den Umgang mit dem Silicon Valley. Zunächst einmal sind dessen Dienstleistungen und Plattformen ein Segen für die Populisten auf der ganzen Welt. Sie haben die Zahl ihrer Zuhörer in die Höhe getrieben und sie haben es ihnen ermöglicht, ihre potenziellen Wähler mit personalisierten Botschaften zu erreichen. Das Fiasko mit Cambridge Analytica hat dies deutlich gemacht. Heutzutage verstehen neue Rechtsparteien wie Vox aus Spanien instinktiv, dass "Digital Battles" Vorrang haben. Vox hat längst mehr Follower auf Instagram als alle anderen spanischen Parteien.

US-Populisten verteufeln das Silcon Valley

Mit dem pragmatischen Umgang mit digitalen Plattformen endet dann allerdings auch der Konsens der Populisten. Wenn es darum geht, die Bedeutung des Silicon Valley einzuschätzen, klingen die Populisten vielstimmig bis kakophonisch. Der amerikanische Flügel versteht Big Tech als ein attraktives Angriffsziel. Für sie ist das Silicon Valley ein bizarrer Mix aus gierigen Kapitalisten und "Kulturmarxisten", die darauf aus sind, ihre Nutzer mit linken Ideen zu indoktrinieren, während sie selbst mit jedermanns Daten steinreich werden. Populisten aus anderen Teilen der Welt verstehen die Plattformen aus dem Silicon Valley dagegen als ihre großartige Chance, der intellektuellen Hegemonie der "Kulturmarxisten" bei ihnen zu Hause zu entkommen, die es sich in Elite-Institutionen wie den Medien, den Universitäten und dem "Deep State" gemütlich gemacht haben.

In einem Interview aus dem August 2018 bei CNN hat Steve Bannon die Leute, die das "böse" Silicon Valley leiten "totale Narzissten" und "Soziopathen" genannt. Die Daten, die ihre Firmen erhoben haben, insistierte Bannon, sollten in eine "öffentliche Stiftung überführt werden." Er sagte auch voraus, dass Big Tech eines der Hauptthemen der nächsten amerikanischen Präsidentenwahl 2020 sein werde.

Berücksichtigt man, dass die Wut auf das Silicon Valley auch auf der Linken wächst, klingt das nicht völlig abwegig. Hat doch Alexandria Ocasio-Cortez, die bei den amerikanischen Linken gerade Aufsehen erregt, mit viel Applaus das drei Milliarden Dollar schwere Willkommenspaket der Stadt New York an Amazon kritisiert. Das Silicon Valley wirkt wie der perfekte Feind für die nicht-gemäßigten Kräfte in Amerika. Es scharf zu kritisieren hilft dabei, das Erbe Obamas und Clintons zu delegitimieren. Beide gelten als diejenigen, die das Silicon Valley erst ermöglicht haben. Andere Rechte pflichten Bannon bei.

Schimpfen auf die "Big Tech Monster"

Brad Parscale, der Social-Media-Chef von Trumps Wahlkampagne 2016, hat sich darüber beklagt, dass "Big Tech Monster" wie Google und Facebook zu nichts weniger als Brutkästen extrem linker Ideologien geworden seien. Sie täten alles in ihrer Macht stehende um konservative Ideen und ihre Befürworter aus dem Internet zu verdrängen. Dass Social-Media-Dienste kürzlich extrem rechte und konservative Personen verbannten, hat diese Einschätzung des Silicon Valley nur verstärkt.

Auch Donald Trump beschwerte sich schon darüber, dass Google "die Stimmen der Konservativen unterdrückt und wohlwollende Informationen und Nachrichten über sie unterdrückt". Eine "sehr ernste Situation" sei das, die er, Trump, schnell angehen wolle.