Europa-Premiere des "Lollapalooza"-Festivals Gewetze zur nächsten Bühne

Nach einigen Unterbrechungen findet das Lollapalooza seit 2005 wieder jährlich statt, jedoch nicht mehr als Wanderzirkus, sondern als mehrtägiges Festival im Grant Park in Chicago.

Es gibt Ableger in Chile, Brasilien und Argentinien, und nun eben auch in Berlin. Die Mischung aus (nostalgischem) Zirkusspektakel, (kitschlastiger) Aktionskunst und politischen Bildungsangeboten (wie etwa Oxfam-Ständen und Informationen zu nachhaltigem Konsum) hat sich auch hier genauso erhalten wie das Nebeneinander verschiedener Musikstile.

Im Stundentakt konnte man am Samstag und Sonntag zwischen dem fröhlichen Indie-Rock der Supergroup FFS (bestehend aus Franz Ferdinand und den Sparks), den Beats des Electro-Duos Digitalism, dem Hip-Hop von Run the Jewels sowie dem britischen Star der Stunde, Sam Smith, wechseln.

Smith, der nach nur einem Album bereits den Titelsong zum kommenden James-Bond-Film "Spectre" verantwortet, beeindruckt mit ausgebildeter Tenorstimme und einer Musik, die zwischen tanzbarem Minimalismus und elegischem Pathos schwankt.

Nur von Klavier und Cello begleitet, zauberte er am Sonntag zur Blauen Stunde mit Elvis' "Can't Help Falling in Love" so manche Träne in die Augen junger, leise mitsingender Pärchen - die, kaum dass der letzte Ton verklungen war, Hand in Hand zur nächsten Bühne wetzten, um ja keinen Beat der Berliner Lokalmatadoren Seeed zu verpassen.

Weit weg von der unabhängigen Alternativ-Kultur von einst

Entgegen dem Augenschein hat sich das Lollapalooza von seinen Ursprüngen als selbstbewusster Ausdruck einer unabhängigen Alternative-Kultur so weit entfernt, wie es nur geht. Längst gehört das Festival den größten Unternehmen der Branche: der Künstleragentur William Morris sowie den Konzertveranstaltern C3 Presents und Festival Republic, deren mehrheitlicher Eigentümer mittlerweile der US-Medienkonzern Live Nation ist.

Darauf angesprochen, dass sein Festival sich in ein Aushängeschild der einst bekämpften Industrie verwandelt habe, konterte Perry Farrell auf einer Pressekonferenz am Sonntag mit einem breiten Lachen. "Die Zeiten haben sich eben geändert", stellte er lapidar fest. "Nun braucht es starke Partner, um so ein Festival gut zu organisieren und die Preise niedrig zu halten."