Erfurt :Theater kündigt nach Missbrauchsvorwürfen Aufarbeitung an

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Ein Einsatzfahrzeug der Polizei. (Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild)

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Erfurt (dpa/th) - Nach Berichten über Vorwürfe sexueller Übergriffe am Theater Erfurt hat nun auch das Theater selbst reagiert. Das Haus werde aktuell mit sehr ernstzunehmenden Vorwürfen konfrontiert, teilte das Theater am Montag mit. Die Theaterleitung sei über den Vorgang informiert. „Das Thema wird aufgearbeitet“, hieß es weiter. Das Theater Erfurt habe der Stadtverwaltung empfohlen, den Vorgang unabhängig untersuchen zu lassen.

Hintergrund sind Berichte der „Thüringer Allgemeine“, wonach die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erfurt, Mary-Ellen Witzmann, zu Vorwürfen sexuell motivierter Pflichtverletzungen gegenüber Frauen und Machtmissbrauch am Theater Erfurt ermittle. Dem Bericht zufolge soll Witzmann darüber auf Nachfrage auch die Zeitung informiert haben. Das soll demnach wiederum dazu geführt haben, dass Witzmann innerhalb der Stadtverwaltung kritisiert worden sei. Witzmann bestätigte den Bericht.

Die Stadtverwaltung warf der Gleichstellungsbeauftragten am Montag eigenmächtiges Verhalten vor. Das Gleichstellungsgesetz sehe keine eigenständigen Ermittlungen durch die Beauftragte vor, teilte sie mit. Sie habe Beschwerden über sexuelle Belästigung entgegenzunehmen, die Betroffenen zu beraten und die Mitteilungen mit deren Einverständnis an die Dienststellenleitung weiterzuleiten. Bis heute habe sie trotz mehrfacher Aufforderung weder einen Bericht noch Belege vorgelegt, die ein Handeln der Stadtspitze erlaubt hätten.

Hingegen habe sie die Presse informiert, bevor sie ihre Analyse dokumentiert und ihrem Vorgesetzten mitgeteilt habe. „Das kommt nicht nur einer Vorverurteilung aller beteiligten Akteure gleich, sondern gefährdet auch das eigentliche Verfahren“, so der Kulturdezernent Tobias Knoblich in der Mitteilung. Aus diesem Grund habe Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) ihr die Veröffentlichung untersagt. Durch das Verhalten der Beauftragten werde die vorbehaltlose und schnelle Aufklärung der Vorwürfe verhindert und es entstehe der Eindruck, dass die Stadtspitze kein Interesse an diesem Thema habe. „Genau das Gegenteil ist der Fall - wir dulden weder sexuelle Gewalt noch Machtmissbrauch“, so Knoblich.

Der Mitteilung zufolge hat Bausewein zwischenzeitlich eine Kommission unter Leitung des Dezernenten beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Der Personalrat des Theaters sei dabei eingebunden.

Reagiert haben auch einige Stadtratsfraktionen. „Ich finde es unerhört, dass eine Gleichstellungsbeauftragte daran gehindert wird, Transparenz und Gleichberechtigung herzustellen“, kritisierte die stellvertretende Vorsitzende und gleichstellungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag, Karola Stange.

„Wir erwarten, dass die Vorwürfe von sexuellen Übergriffen vollumfänglich aufgeklärt werden“, teilte die Stadträtin Laura Wahl (Grüne) mit. Sie forderte den Oberbürgermeister auf, „schleunigst Stellung zu nehmen und darzulegen, wie er als Verwaltungsoberhaupt die Aufklärung der Vorfälle unterstützt“.

© dpa-infocom, dpa:231023-99-671824/3

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