Entscheidung der Schriftstellervereinigung Grass bleibt PEN-Ehrenpräsident

Die Schriftstellervereinigung PEN hat sich entschieden: Die Mitglieder wollen Nobelpreisträger Günter Grass als Ehrenpräsident behalten. Sie haben einen Antrag abgelehnt, Grass die Präsidentschaft abzuerkennen. Inhaltlich zu seinem israelkritischen Gedicht äußern wollen sie sich nicht. Die Vereinigung habe sich schließlich der Freiheit des Wortes verschrieben.

Nach heftigen Diskussionen hat die Schriftstellervereinigung eine Entscheidung getroffen: Günter Grass bleibt Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums. Die Mitgliederversammlung lehnte am Samstag im thüringischen Rudolstadt mit großer Mehrheit einen Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft ab.

Bleibt weiter Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums: Nobelpreisträger Günter Grass.

(Foto: dapd)

Trotz vieler Vorbehalte entschied sich die Schriftstellereinigung außerdem, nicht inhaltlich über das Grass-Gedicht zu diskutieren. Begründung: PEN habe sich der Freiheit des Wortes verschrieben. Das gelte für israelkritische Grass-Gedicht Was gesagt werden muss genauso wie für die Berichte der Medien. Abgelehnt haben die Mitglieder auch einen Antrag, dass das PEN-Zentrum eine offizielle Erklärung gegen eine angebliche Rufmord-Kampagne gegen den Literaturnobelpreisträger abgeben solle.

Weder Grass noch Antragsteller nehmen an PEN-Versammlung teil

Am Freitag hatten die mehr als 100 PEN-Mitglieder beschlossen, die Entscheidung auf den heutigen Samstag und damit auf den Abschluss des viertägigen Autorentreffens zu vertagen, an dem der erkrankte Günter Grass nicht teilnahm. PEN-Präsident Johano Strasser hatte sich schon im Vorfeld gegen eine Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft ausgesprochen: "Ich bin hundertprozentig sicher, dass dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt wird." Grass sei kein Antisemit und habe das Existenzrecht Israels nie infrage gestellt.

Auch Generalsekretär Herbert Wiesner hatte einen Appell an die in Rudolstadt versammelten Autoren gerichtet: "Wir selbst sind gut beraten, Günter Grass, seinen Kritikern wie Verteidigern das Recht auf Meinungsfreiheit zuzugestehen. Aber der Satz unserer Charta, der da sagt, dass 'die Freiheit auch freiwillig geübte Zurückhaltung einschließt', sollte ebenfalls nicht vergessen werden."

In dem am Freitag veröffentlichten, nun abgelehnten Antrag hatte der Bochumer Autor Hugo Ernst Käufer gefordert, Günter Grass die Ehrenpräsidentschaft und die 1995 verliehene Hermann-Kesten-Medaille abzuerkennen. Käufer war bei dem Treffen jedoch nicht anwesend, ebensowenig wie der Autor des zweiten Antrages, Jürgen Renner. Dieser hatte von allen PEN-Mitgliedern "eine offizielle Erklärung unseres Zentrums zu den publizistischen Vorgängen um Günter Grass" verlangt. In seinem Antrag schrieb Renner, er habe "eine Rufmord-Kampagne wie diese in seinem Leben noch nicht erlebt".

"Grass ist kein Antisemit, aber seine Thesen sind antisemitisch"

Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hatte zu Beginn der Tagung an das deutsche PEN-Zentrum appelliert, "intellektuell redlich" über die Frage zu diskutieren, ob Grass PEN-Ehrenpräsident bleiben dürfe. "Wer behauptet, Israel dürfe nicht kritisiert werden, hat Unrecht. Auch sonst muss man kein Nobelpreisträger sein, um zu begreifen, dass das von Günter Grass Gesagte nichts mit der Realität zu tun hat", erklärte Hadas-Handelsman am Donnerstag der Online-Ausgabe des Tagesspiegels. Ähnlich äußerte sich Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland: Sachliche Kritik sei nie antisemitisch. Grass sei kein Antisemit, aber seine Thesen seien antisemitisch.

Bereits Anfang April hatte Grass mit seinem Gedicht für heftige Diskussionen gesorgt. Darin schrieb er, Israel bedrohe als Atommacht den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Israel verbot Grass daraufhin die Einreise.