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Ein Reiseführer zum Dableiben:Die Schatzinsel

Exzentrisch, aber ruhend wie ein Schiff im Hafen: die Villa della Valle, erbaut 1960.

(Foto: Westernelba/CC 4.0)

Elba, wie es kaum einer kennt: Der Architekt Fritz Auer hat ein Buch über die unbekannte Moderne der Touristen-Hochburg verfasst. Napoleon hätte gestaunt.

Von Gerhard Matzig

Leonardo Ricci war ein Architekt der italienischen Moderne. Von ihm stammt die Sentenz "Basta esistere" - da sein, das genügt. Zwar ist das die Philosophie eines Architekten, der Häuser als Orte der Begegnung entwarf. Aber man kann das auch auf die Insel Elba beziehen, die so sehnsuchtsvoll ist, dass man einfach nur dort sein will. Basta.

Auch jetzt im Winter sowie in pandemischen Zeiten, wo man die Fähre ab Piombino meidet. Doch kann man sich auch mithilfe des Buches "Case Moderne Häuser: Architektonische Entdeckungen auf Elba" (Verlag Pacini, 180 Seiten, 28 Euro) auf die Insel des Zaubers beamen. Wobei es dem Münchner Architekten Fritz Auer, der mit einem kleinen Team aus Insel- und Architekturliebhabern diesen handverlesenen Führer für Elba verfasst hat, genau darum geht: um Häuser, moderne Häuser, die abseits der üblichen Strand-Berge-Napoleon-Klischees die besondere Baukultur der Insel repräsentieren.

36 Häuser sind es, die prägnant in Text und Bild vorgestellt werden. Darunter befindet sich auch die Villa della Valle, die bis 1960 von Leonardo Ricci bei Poggio als mondänes Hideaway erbaut wurde. Gedacht für den Modeschöpfer Pierre Balmain und erdacht im Sinne: Da sein, das genügt. Den Rest erledigen Luft und Meer und die Magie einer Insel, auf die man sich am liebsten gleich retten möchte.

Unter den vielen Elba-Liebhabern, bei denen man oft Angst haben muss, dass sie das, was sie dort suchen, zerstören in ihrer Bauwut des Banalen, sind zum Glück auch viele Kunstsinnige, die Sinn für eine architektonisch moderne Italianità haben, die auf Elba immer schon mehr war als das, was sich der deutsche Pizza-Fan darunter so vorstellt. Fritz Auer, selbst ein bekannter Architekt (Auer Weber), der einst zum Team von Günter Behnisch für das sagenhafte Olympiaareal in München gehörte, bereist Elba schon seit 1969. Erst mit dem VW-Bus. Später auch zu Fuß oder mit dem Rennrad. "Aus dem Sattel entdeckte ich immer wieder Häuser und Anwesen, die mich aufgrund ihrer Lage und Bauweise faszinierten." So entstand ein Buch über eine 50 Jahre währende grandiose Insel-Rad-und-Architektur-Leidenschaft. Einfach lesen, einfach schauen, einfach da sein. Basta.

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