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Dieter Wedel und #MeToo:"Also, immer kriegt er sie nicht"

Casting für die Dresdner Zwingerfestspiele

Männer wie er konnten sich lange Zeit allmächtig fühlen: Dieter Wedel beim Komparsen-Casting vor sieben Jahren.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Hat Dieter Wedel mal über sich gesagt. Berichte über sein Verhältnis zu Frauen kamen schließlich fast immer von ihm selbst. Zumindest das, so viel ist sicher, hat sich nun radikal verändert.

Dieter Wedel ist nicht dafür bekannt, dass er Fernsehteams und Reportern aus dem Weg geht. Im Gegenteil: Wer den Regisseur gelegentlich bei Filmpremieren oder Preisverleihungen erlebt hat, kennt die Momente, in denen der Herr mit dem rötlichen Haarschopf zielsicher ins Zentrum des medialen Interesses steuert. Sehr genau registriert er, an welcher Stelle des roten Teppichs gerade ein Mikrofonträger auf Bonmots und Anekdoten wartet, auf irgendein verwertbares Wedel-Zitat - der Mann mit Wohnsitzen in Hamburg und Mallorca geizt ja nicht gerade mit Bekenntnissen aus seinem Leben, das er selbst wohl für abenteuerlich hält.

Auch über seine Beziehungen und Affären mit oft deutlich jüngeren Frauen aus der Film- und Theaterbranche hat Wedel immer recht bereitwillig gesprochen, mal charmant, mal angeberisch, mal selbstironisch. Ein Journalist der Bunten stellte ihm einmal die Fangfrage, ob der Regisseur denn "immer die Hauptdarstellerin kriegt". Wedels Antwort: "Also, immer kriegt er sie nicht." Hinter der Suche nach ständig neuen Bestätigungen und "weiblichen Reizen" stecke bei ihm eine spezielle Lebensgier, gab er zu, "möglicherweise auch ein Minderwertigkeitskomplex".

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Die Berichte über Dieter Wedel und sein Verhältnis zu Frauen hatten bisher eine Gemeinsamkeit: Sie stammten im Wesentlichen von ihm selbst. Als Quellenmaterial dienten Interviews, Bühnenauftritte und seine Autobiografie "Vom schönen Schein und wirklichen Leben" aus dem Jahr 2010 - gegen die Veröffentlichung dieses Buches hatte seine frühere Lebensgefährtin, die Schauspielerin Hannelore Elsner, geklagt und erreicht, dass ganze Absätze geschwärzt wurden. Doch nun gibt es noch ganz andere Berichte über den dreifachen Grimmepreisträger - detaillierte Erzählungen von Frauen, die Dieter Wedel in früheren Jahren sexuell belästigt haben soll.

Im aktuellen Zeit-Magazin schildern die früheren Schauspielerinnen Jany Tempel, 48, und Patricia Thielemann, 50, wie Wedel seine Machtposition als Regisseur ausgenutzt habe, um die Frauen zum Sex zu zwingen. Im ersten Fall soll es um einen Vorfall in einem Münchner Hotel im Jahr 1996 gehen. Wedel bereitete damals den Dreh zu seinem Fernsehmehrteiler "Der König von St. Pauli" vor und suchte Darstellerinnen. In der Zeit berichtet Jany Tempel, wie sie als 27-jährige Jungschauspielerin ihre Chance gewittert habe und deshalb der Aufforderung Wedels gefolgt sei, ihn in seinem Hotelzimmer zu besuchen - ein ungewöhnlicher Ort für ein Vorsprechen. Der Regisseur habe sie dort in einem Bademantel empfangen, sie heftig bedrängt. "Er hat mich mit Wucht gepackt und gegen die Wand gepresst", so erzählt Tempel, dann habe er sie aufs Bett geworfen und zum Sex gezwungen.

Jany Tempel arbeitet heute als Fotografin, Drehbuchautorin und Regisseurin.

Damals spielte sie dann tatsächlich eine kleine Rolle in "Der König von St. Pauli", was sie sehr bereue, wie sie sagt. Erst jetzt, ermutigt durch die "Me Too"-Debatte im Zuge der Vorwürfe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, habe sie die Kraft, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen.