Die Toten Hosen im TV Bereit für ein bisschen Krach?

Der WDR würdigt die örtlichen und überörtlichen Berühmtheiten des Verbreitungsgebiets. Dieses Jahr endet mit den "Toten Hosen". Ein kleiner ganz großer Film.

Von Hans Hoff

Einmal tote Hose, immer tote Hose. Wer bei Düsseldorfs erfolgreichster Band Mitglied ist, wird diesen Status nicht mehr los. Selbst wenn "Die Toten Hosen" irgendwann mal ihrem Namen und sich selbst gegenseitig die allerletzte Ehre erweisen werden, hört es nicht auf, denn irgendwann wollen sie gemeinsam in einem Grab liegen, und oben drüber soll als Grabstein ein Garagentor stehen auf dem vermerkt wird, dass hier die Jungs von der "Opelgang" endlich Ruhe geben. So stellt sich das zumindest Campino, der Frontmann der Combo vor, und führt die Kamera am Schluss eines sehr bemerkenswerten Filmporträts auf den Düsseldorfer Südfriedhof, wo sich die Band bereits ein entsprechendes Stück Erde reserviert hat.

"Ich habe mehr Zeit in meinem Leben mit den Toten Hosen als mit meiner Familie verbracht", sagt Campino.

(Foto: Foto: dpa)

"Die Besten im Westen" heißt eine Reihe, mit der im WDR Fernsehen die örtlichen und überörtlichen Berühmtheiten des Verbreitungsgebiets gewürdigt werden. Angefangen hat das 2005 mit Konrad Adenauer, nun endet es für dieses Jahr mit dem Sänger der Toten Hosen.

Es gab schon einige Filme, die versucht haben, den Geist der "Toten Hosen" einzufangen. Sehr oft waren es entweder distanzierte Beschreibungen oder Fan-Hymnen, die aus zu großer Nähe nicht mehr den richtigen Erzählabstand fanden. Cordula Kablitz-Post wählt genau den richtigen Weg, den in der Mitte. Sie kommt Campino, dem charismatischen Vielredner aus Düsseldorf-Flingern, sehr nahe, aber nicht zu nahe. Die Autorin bewahrt sich ihre Distanz, lässt das Objekt ihrer Betrachtung reden und den Zuschauer urteilen.

Musikalisch und phontechnisch gibt es auf die Zwölf

"Ich habe mehr Zeit in meinem Leben mit den "Toten Hosen" verbracht als mit der Familie von der ich komme", sagt Campino am Anfang, und dann führt er die fein geführte Kamera bereitwillig in seine Wohnung ("Hier lebe ich, hier bin ich, von hier kommt die Scheiße jetzt."), in sein früheres Elternhaus, wo er schon als Einjähriger aus dem Laufstall floh und Dinge aus dem Fenster warf, und in seine ehemalige Schule. Dort erfährt man, dass der heutige Rockstar früher eine Fünf in Musik hatte, was manchem Kritiker Wasser auf die Verriss-Mühle sein mag. Dabei machen es die Toten Hosen allen Mäklern zunehmend schwer, ihnen noch irgendwie am Zeug zu flicken.

Sie üben sich in fast schon vornehmer Untertreibung, sowohl bei der Rückschau als auch in der Gegenwartsbilanz. "Der Bass war das, was über war", sagt Bassist Andi über seine Rollenwahl in den frühen Tage, als die Band von Instrumenten wenig verstand, aber unbedingt anders sein wollte. "Seid ihr bereit für ein bisschen Krach", fragt Campino heute die Fans zu Beginn des Konzerts, und dann gibt es musikalisch und phontechnisch auf die Zwölf.

Das Porträt endet auf dem Friedhof, aber der ist keine Endstation. Ab und an wirkt es gar für Momente so, als zöge Campino neue Weisheit aus seiner eigenen Rederei, als komme auch er im Moment des Sagens zu neuer Einsicht in das was war und was sein wird. Es sind solche faszinierende Augenblicke, die diesen kleinen Film ganz groß machen.

Die Besten im Westen: Campino, Freitag, WDR Fernsehen, 20.15 Uhr