bedeckt München 29°

Die CDs der Woche - Popkolumne:Rave-Lines zum Mitklatschen

Was gesagt werden muss, muss gesagt werden: "Eclipse" von Twin Shadow ist ein grässlich kitschiges Dorfdisco-Popalbum.

(Foto: Warner Bros. Records (Warner))

Sophie Hunger ist auf "Supermoon" wie erwartet in vier Sprachen großartig. Twin Shadow dagegen wird für sein Stadion-Pop-Album "Eclipse" einige Ohrfeigen kassieren.

Kann es sein, dass die besten Pop-Alben gar nicht die sind, die uns überraschend glücklich machen, sondern die, mit deren Großartigkeit man irgendwie gerechnet hat? Ohne das abschließend klären zu können (warten wir doch lieber noch mal die nächste Überraschung ab!), möchte man im Fall von Sophie Hunger spontan antworten: ja!

Das schöne, dunkle Gewicht von Hungers Stimme

Denn "Supermoon" (Caroline), das neue Album der Schweizerin ist genauso toll, eigensinnig und warm, wie man es sich vorgestellt hat: so wunderbar vielschichtig und hintergründig angefüllt mit gespenstisch hallenden Folk- und Rockgitarren, mit elegischen Chansons, Blues- und Jazz-Fragmenten und betörenden Pop-Refrains.

Man hat fast das Gefühl, hier seien gleich mehrere Musiker am Werk, würde nicht über allem das schöne, dunkle Gewicht von Hungers Stimme hängen, wie der blau-weiße "Supermoon" über dem Titelsong. Und wieder wechselt sie mit einer Selbstverständlichkeit und ungeheuren Eleganz zwischen den Sprachen, singt auf Englisch, Französisch, Deutsch und Schwyzerdütsch über das Unterwegssein ("Mad Miles") und die Heimat ("Heicho"), über Anarchie und Haltung ("Die ganze Welt").

Wenn Sie den Song nicht hören können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.

Genug Zeit für Abseitiges und elektronischen Auskennerkram

Von der Anmut des Mondes - oder vielleicht besser: vom undurchdringlich-schwarzen Raum, der dahinter beginnt - scheint sich auch Martin Gore, musikalischer Kopf von Depeche Mode, einiges an Inspiration angeschaut zu haben.

Und irgendwie ist es doch schön zu wissen, dass Mister Gore, mit "Enjoy The Silence" immerhin verantwortlich für einen der größten Hits der frühen Neunziger, neben seiner Band genug Zeit hat für Abseitiges und elektronischen Auskennerkram, wie man ihn jetzt auf "MG" (Mute) hören kann: 16 kühle, strenge Instrumentalstücke, die mit technoiden Soundflächen, Ambient-Geflimmere und Minimal Electro das gute alte Spannungsfeld zwischen Mensch und Weltall abschreiten.

Martin Gore, MG

(Foto: Mute Artists Ltd (Goodtogo))

Ein großes Vergnügen auf der Metaebene des Pop - besonders wenn man sich dazu den scheuen Gore in seinem Studio in Santa Barbara vorstellt (ob das wohl so abgedunkelt ist, wie die Musik klingt?), wie er über die Möglichkeiten von Klang und Raum nachdenkt. Wie gerne würde man sich für ein paar Stunden dazusetzen.