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Die CDs der Woche - Popkolumne:Musik, die Durst auf Dosenbier macht

Sleaford Mods

Sperrfeuer aus Vorstadt-Frust, Nervkram und Wut auf alles und jeden: So klingt die Musik von Sleaford Mods

(Foto: Simon Parfrement; Sleaford Mods)

Sleaford Mods machen Musik, die die Kleingeld-Antwort auf das Bling-Bling-Gepose des Gangster-Rap ist. Fabelhafter als das Debüt "Divide And Exit" sind nur ihre Videos auf Youtube. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

Musik, die klingt wie ein Streit an der Bushaltestelle nachts um eins: Das Duo Sleaford Mods aus Nottingham wird gerade als eine der Entdeckungen des Jahres gefeiert - und was soll man sagen? Ja, stimmt. Die beiden Vögel betreiben die unterhaltsamste Form von Nihilismus, die England derzeit zu bieten hat. An Musik haben sie ausdrücklich wenig Interesse, die Stücke wirken, als liefen einfach einzelne Takte aus alten New-Wave-Platten in Endlosschleife.

Darüber sprechsingt Jason Williamson in schwerem Provinzdialekt ein Sperrfeuer aus Vorstadt-Frust, Nervkram, Wut auf alles und jeden. Tiraden, gegen die der große Tiradist Mark Smith von The Fall wirkt wie La Roux (siehe unten). Williamsons Texte sind phantastisch, er findet für den Hass immer geistreiche Formulierungen. "Wir sehen immerhin wie 20-Pence-Ware aus im 10-Pence-Wühltisch" - die Kleingeld-Antwort auf das dollarschwere Bling-Bling-Gepose des amerikanischen Gangster-Rap.

Das Debüt "Divide And Exit" ist also fabelhaft, fast noch fabelhafter sind die Sleaford-Mods-Videos auf Youtube, " Tied Up In Nottz" oder " Up North": Um die Songs geht's da meist nur am Rande, dafür werden minutenlang triste Bilder aus der englischen Provinz gezeigt, leere Busse, graue Häuser, graue Wolken. Musik, die Durst auf Dosenbier macht.

Wenn Sie diese Songs nicht hören können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.

Ein Projekt, das interessant werden könnte: Aretha Franklin, die große, wunderbare, unzerstörbare Soul-Königin Aretha Franklin, hat für September ein neues Album angekündigt. Es soll aus lauter Cover-Versionen bestehen, nur Songs von Frauen, darunter "People" (Barbra Streisand), "Rolling In The Deep" (Adele) und "What's Love Got To Do With It" (Tina Turner). Die Überraschung ist, dass als Produzent auch André 3000 dabei ist, Rapper und verrückter Hund von Outkast. Vorab hat ihn die Grande Dame übrigens versehentlich degradiert: In einem Interview sagte sie, sie freue sich sehr auf die Arbeit mit André 2000.