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Die CDs der Woche - Popkolumne:Der kalifornische Fluch

Brian Wilson

Brian Wilson veröffentlicht mit "No Pier Pressure" eines dieser Alben, auf denen ein medikamentös beruhigter alter Mann versucht, sich mit dem jungen Genie, das er einmal war, zu messen.

(Foto: AP)

Lunchmoney Lewis singt mit hoher Quak-Stimme lustige Geschichten, "The Prodigy" verändern sich tragischerweise nie und der einstige Visionär Brian Wilson hätte Frank Ocean besser keinen Korb gegeben.

Ui, gute Laune! Warum haben wir an dieser Stelle nicht schon längst über LunchMoney Lewis gesprochen? Der Mann hat zwei Millionen Klicks auf Youtube. Kleines, dickes Lewis kommt aus Miami, sieht aus, als hätte er eigentlich eine lustige Sidekick-Rolle in Prinz von Bel-Air spielen müssen, und rappt und singt mit hoher Quak-stimme lustige Geschichten.

LunchMoney ist sich für keinen Quatsch zu schade

Der amerikanische Rolling Stone zählt ihn derzeit zu den zehn neuen Pop-Künstlern, die man kennen muss, und schreibt, er bewege sich musikalisch ungefähr zwischen Soul, Miami Bass und Randy Newman. Passt genau. Sein Song "Bills" besteht aus fröhlich rollendem New-Orleans-Piano und Stampfbeat, das comedy-artige Video ist ein Riesenvergnügen, weil LunchMoney sich für keinen Quatsch zu schade ist. Fehlt nur noch ein Debüt-Album, wann es kommt, ist im Moment noch unklar - aber bis zum Sommer lässt es sich mit "Bills" erst mal prima aushalten. Hurra!

Wenn Sie den Song nicht hören können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.

Am Freitag erscheint "No Pier Pressure" (Capitol), das neue, mittlerweile elfte Album von Brian Wilson. Eigentlich hätte darauf auch der R'n'B-Retter Frank Ocean zu hören sein sollen. Aus der geplanten Zusammenarbeit wurde aber nichts. Schade - der Beach Boy und der Ocean, das hätte gepasst. Jetzt hat Wilson, der wirre alte Mann, in einem Interview erklärt, woran es lag: "Frank Ocean wollte rappen! Also haben wir ihm abgesagt."

Der kalifornische Fluch

Es wäre natürlich leicht, sich über Wilson lustig zu machen. Aber das wäre ungerecht, schließlich hat Ocean seine besten Momente tatsächlich immer dann, wenn er als Sänger mit seiner weichen Stimme dem R'n'B neue Impulse gibt. Andererseits - vor fast 50 Jahren war Wilson ein Visionär, probierte jedes neue Instrument und jedes abseitige Arrangement aus, das ihm in den Sinn kam. Gut möglich, dass der junge Brian es einfach mal mit einem Rap probiert hätte.

So aber veröffentlicht er eben wieder mal eines dieser Alben, auf denen ein medikamentös beruhigter alter Mann versucht, sich mit dem jungen Genie, das er einmal war, zu messen. Der kalifornische Fluch. Irgendwie sollen die Songs immer noch wie die großen, federleichten und doch so vertrackt komponierten Pop-Hymnen von damals klingen. Und wenn nicht gerade wie in "Runaway Dancer" schlimme Plastik-Beats daruntergehobelt werden, tun sie es sogar. Fast. Ein bisschen.

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