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Popkolumne - Die CDs der Woche:Schluss mit nervig

Als ihre Zwangslockerheit anstrengend wurde, gab sie ein bisschen Ruhe. Jetzt ist der nationale Lieblingsmensch Lena wieder da - und trifft mit der Platte "Stardust" genau den richtigen Ton. Popkonfekt, Cocktailmusik, Hits für geschmackssichere Jungmenschen und männliche Melancholie: Ausgewählte neue Musik gibt es von nun an jeden Mittwoch in unserer Popkolumne zum Reinhören. In Kooperation mit Spotify.

Lena Stardust

Lenas neue Platte "Stardust": Mitpfeif-Material, mit einem oder zwei Songs ("Pink Elephant"), die auch einzeln in die Charts wandern dürften.

(Foto: Universal)

Lena

Sympathisch von Lena war ja, dass sie selbst in Zeiten innigster Landes-Liebkosung unbedingt das nette Schusselmädchen bleiben wollte. Gerade als auch diese Zwangslockerheit in Talkshows und auf Preisverleihungen anstrengend wurde, gab sie ein bisschen Ruhe.

Viel rücksichtsvoller kann sich ein nationaler Lieblingsmensch nicht verhalten. Jetzt meldet sie sich, wie es sich für eine echte Musikerin gehört, mit ihrer Platte "Stardust" (Universal) gerade an dem Zeitpunkt der Geschichte zurück, an dem man von ihr nichts mehr erwartet hätte.

Was man geboten bekommt ist dann auch wieder alles andere als nervig, stattdessen ein kurzweiliger Haufen Musik. Lena kokettiert nicht mehr mit Interrail-Englisch und kehligen Stimmhüpfern, sondern hat alles ein bisschen ordentlicher und, ja, erwachsener auf die Reihe gebracht.

Ein Händchen für gute Berater hatte sie ja schon immer, diesmal ist ihr die schwedische Songwriterin Miss Li ein denkbar günstiger Umgang gewesen. Gemeinsam machen die beiden jungen Frauen aus Lena ein zeitloses und annähernd internationales Stück Popkonfekt, mal mit fröhlichem Chanson, mal mit Girlie-Soul, aber glücklicherweise nie mit einem verlockend nahen Dussel-Emo-Pop à la Silbermond.

Keine zu großen Gesten, keine zu quälende künstlerische Seriosität droht hier, stattdessen Mitpfeif-Material, mit einem oder zwei Songs ("Pink Elephant"), die auch einzeln in die Charts wandern dürften.

Cocktailmusik! Die gähnende Langeweile, die dem Spätwerk von Castingshow-Gewinnern für gewöhnlich innewohnt, umschifft sie zum Glück souverän. Lena schafft es wieder, ihre Lockerheit bis zum Endprodukt, bis zu jedem reizenden Refrain-Wohoo zu halten. Auf diesem Fundament kann sie noch lange Zeit mit überdurchschnittlicher Zuneigung rechnen.