Deutscher Buchpreis 2011 Schriften aus dem Abseits

Philosophisch, psychologisch, osteuropäisch: Die für den Deutschen Buchpreis nominierten Romane weisen eine große thematische Vielfalt auf. Was zudem auffällt: In diesem Jahr finden viele unbekannte und jüngere Schriftsteller Beachtung.

Nur noch knapp acht Wochen fehlen bis zur Preisvergabe. Dann wird im Treiben der 63. Frankfurter Buchmesse der beste deutschsprachige Roman gekürt. Die Namen der "Longlist 2011", die 20 ausgewählte Stücke aus der Gegenwartsliteratur enthält, wurden nun von der siebenköpfigen Jury bekanntgegeben.

Die Frankfurter Buchmesse lockt jedes Jahr nicht nur eingefleischte Buchhändler in ihre Hallen. Die weltweit grösste Messe rund um gedruckte und elektronische Bücher findet jährlich im Oktober statt. Im vergangenen Jahr präsentierten mehr als 7.000 Aussteller aus 113 Ländern ihre Angebote.

(Foto: dpa)

Nominiert sind neben renommierteren Autoren wie Wilhelm Genazino ("Wenn wir Tiere wären"), Alex Capus ("Léon und Louise") oder Sibylle Lewitscharoff ("Blumenberg") auch unbekanntere und jüngere Schriftsteller.

"Wir haben uns bemüht, auch auf Abseitigeres zu achten und die Vielfalt der Stimmen und Erzählweisen abzubilden", sagte die Jurysprecherin Maike Albath, Journalistin beim Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur in Frankfurt.

So scheint es auch nicht verwunderlich, dass die 20 Werke eine breite thematische Vielfalt umfassen. "Vom nüchternen Protokoll über einen farbenfrohen Realismus bis zu impressionistischen Momentaufnahmen ist alles vertreten.", sagt Albaths. So trifft der Leser etwa auf eine Aufarbeitung der DDR, die Erkundung osteuropäischer Verhältnisse genauso wie auf philosophischere Werke, Liebesbeziehungen oder gar psychischen Ausnahmezuständen.

Genauso mannigfaltig wie die Themenwelt erscheint die enorme Bandbreite an gewählten Schauplätzen, den "Wirklichkeitsausschnitten", die von der Frankfurter Innenstadt über Schweden bis hin zum Iran reichen.

Letzteren thematisiert etwa der namhafte Autor Navid Kermani, der in seinem neuen 1200-Seiten-Roman "Dein Name" die Geschichte seiner aus dem Iran stammenden Familie beschreibt. Fast ebenso lang ist der nominierte Roman "Vorabend" von Peter Kurzeck, der mit seinen Werken als Chronist seiner mittelhessischen Heimat gilt. Auch auf der "Longlist" vertreten sind die feministisch orientierte österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz ("Die Schmerzmacherin") und die junge Autorin Antje Rávic Strubel ("Sturz der Tage in die Nacht"). Bereits 2007 war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Panorama der deutschen Gegenwartsliteratur

Die sieben Jurymitglieder sichteten in den vergangenen fünf Monaten 198 Romane. "Die knapp 200 Einreichungen zeigen wieder einmal, wie umfassend das Panorama der deutschen Gegenwartsliteratur ist." formuliert Jurysprecherin Maike Albath. Die berücksichtigten Werke sind zwischen Oktober 2010 und dem 14. September erschienen - beziehungsweise werden es noch. Das trifft immerhin auf sechs der 20 nominierten Romane zu.

Mit je drei Nominierungen am häufigsten vertreten sind die Verlage Rowohlt und Hanser, jedoch schaffte es auch der als angeschlagen geltende Eichborn-Verlag aus Frankfurt mit Klaus Modicks "Sunset" auf die "Longlist".

Von den Titeln der "Longlist" benennen die Juroren in einem nächsten Schritt sechs Titel für die "Shortlist", die am 14. September veröffentlicht wird. Am Abend der Preisverleihung am 10. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses Römer erfahren die sechs Autoren, wer von ihnen den Wettbewerb für sich entschieden hat.

"Longlist"-Lesungen

Ab Ende des Monats können sich die Leser sogar selbst ein Bild von den 20 Nominierten machen. Demnach finden in elf deutschen Städten sowie in Prag Lesungen mit Autoren der "Longlist" statt. Zwar sind Ort und Datum jeweils bekannt, jedoch soll bis zuletzt geheim bleiben, welcher Autor wo liest.

Mit dem Deutschen Buchpreis, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verleiht, wird seit 2005 jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse der beste deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet. Er entwickelte sich zur Literaturauszeichnung mit der größten Publikumsresonanz.

Der Preisträger erhält 25.000 Euro Prämie, die restlichen fünf Finalisten jeweils 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr gewann die Züricher Schriftstellerin und Musikerin Melinda Nadj Abonji mit ihrem autobiographischem Roman "Tauben fliegen auf".

Auszüge der Longlist-Romane sind über www.libreka.de abrufbar.

Literatur im Internet

Die sind dann mal weg