Der Lyriker Stefan George Entdeckungen im totgesagten Park

Man ignoriere einmal den Gongschlag von Herrschaft und Dienst, Kreis und Meister und achte auf seine kleinen Wörter. Dann zeigt sich: der Rang des Lyrikers Stefan George beweist sich im Detail.

Von Gustav Seibt

Selbst wer Stefan George eher nicht liest, pflegt zu wissen: Das ist der Dichter mit der Kleinschreibung, gar einer eigenen Schrift, und dem hohen Ton. Die Eigenheiten verstärken sich: Die Kleinschreibung führt zusammen mit der weitgehenden Abwesenheit von Interpunktion zu einer Verlangsamung des Lesens, auch einem Verhüllen der Syntax, die das Versmaß gegenüber der Phrasierung privilegiert - wer George vorträgt, tendiert unwillkürlich zu einem gravitätischen Metronom. Dazu kommt vor allem in den letzten Gedichtbänden Georges, dem "Stern des Bundes" und ...