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Debütroman von Ronja von Rönne:Die Beziehung führt Nora nur, weil die zwei Männer es wollen

Diese schlaffe Haltung gegenüber dem eigenen Text spiegelt sich in der gesamten Konstruktion der Erzählerin und ihrer grässlichen Beziehung zu dem dauergrantigen Jonas, dem herrschsüchtigen Karl und der magersüchtigen jungen Mutter Leonie wider. In dieses Schlamassel ist Nora genauso passiv-aggressiv hineingestolpert wie ihre Schöpferin in den publizistischen Ruhm: ostentativ gelangweilt und minimal verantwortungsbewusst. Die Beziehung führt sie eigentlich nur, weil die zwei Männer es wollen.

Und von den Menschen um sich herum versteht Nora immer exakt nur deren Funktion ihr selbst gegenüber. Über ihre Jugendfreundin Maja, um die sie so tief trauert, heißt es: "Maja liebte ich vor allem, weil sie die Stille beiseite gewischt hatte." Und über die morsche Beziehung, es sei in sie "etwas Seltsames gekrochen, das mich ermüdet, weil ich es kenne, und das mich frustriert, weil ich es nicht so früh erwartet habe." Etwas Seltsames? Der Roman wimmelt von solchen pauschalen Zusammenfassungssätzen.

Fischstäbchen statt Melonen?

Dabei kann Rönne anders: Sie ist immer dann gut, wenn sie jene kleinen Beobachtungen einstreut, für die ihr Blog "Sudelheft" bekannt wurde. Über die Mütter auf dem Parkplatz eines Dorf-Discounters schreibt sie: ". . . ihren Rest Abenteuerlust lebten sie in stundenlangen Wochenendtrips zum Kaufland aus, um Wassermelonen zu besorgen für die falschen Entscheidungen, die zu Hause warteten und lieber Fischstäbchen wollten."

Der Satz ist lustig! Aber er ist auch symptomatisch für die Wurstigkeit, von der Rönnes Text strotzt. Hätte sie drei Minuten länger überlegt, wäre ihr vielleicht gekommen, dass Wassermelonen und Fischstäbchen nicht gegeneinander ausspielbar sind. Bananen, ja. Wackelpudding, okay. Aber welches Kind sagt: "Ich will Fischstäbchen!", wenn man ihm eine Melone anbietet?

Dieses Buch verströmt eine Kälte, der ein tiefes Desinteresse am Menschen und was ihn dazu macht, zugrunde liegt. Noras Panikattacken etwa, die ja der eigentliche Motor des Buches sind, finden auf den letzten, auf einmal sehr atemlosen Seiten ihre Kulmination. Hier wird zum ersten Mal so etwas wie seelische Not spürbar, vorher heißt es unbeteiligt: "Heute morgen hat mich wieder die Panik geweckt." Na, denn.

Sie wird nicht vermisst werden. Genauso wenig wie die kalten, gestörten Figuren und ihre nicht ganz runde Geschichte, die wirklich tausendmal aufregender wäre, wenn sich die junge Autorin dazu bequemt hätte, sich um irgendetwas zu scheren.

Ronja von Rönne: Wir kommen. Roman. Aufbau Verlag, Berlin 2016. 208 Seiten, 18,95 Euro. E-Book 14,99 Euro.

© SZ vom 15.03.2016/cag/jobr
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