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Das ist schön:Stille Stunden

Ein Plädoyer für mehr Ruhe und Gelassenheit

Nun ist sie also vorüber, die so genannte Nobelpreiswoche, und es wurden viele Männer (Frauenquote?) geehrt, weil sie Dinge entdeckt haben, die, wohlmeinend betrachtet, das Leben der Menschen positiv beeinflussen können. Oder vielleicht auch bloß könnten. Und sei es auch nur, dass ein Weg gefunden wurde, der das Tödliche an tödlichen Krankheiten ein bisschen in die Zukunft verschiebt. Man muss ja für alles dankbar sein.

Keinen Nobelpreis bekam die neuseeländische Supermarktkette Countdown für eine Idee, die nicht nur auf dem fernen Inselstaat, sondern weltweit - und gerade in München - das Leben der Menschen sehr positiv beeinflussen könnte: Dort lockt man die Kunden statt mit Lärmgedudel mit einer "Quiet Hour" in die Filialen, also mit einer "Stillen Stunde", in der die Mitarbeiter nur die allernötigsten Einräumarbeiten erledigen dürfen und sogar an den Kassen andächtige Flüsterstille herrschen soll. Die Idee zu diesem Schweigen stamme, so heißt es in einer dpa-Meldung aus Auckland, von einem autistischen Kind.

Die Nachricht zeigt zweifelsfrei eine Tendenz zur Verbesserung der Lebenskultur, und sie korrespondiert mit einer Meldung, der zufolge ein Forscher vom Schlafmedizinischen Zentrum in Nürnberg für einen späteren Schulbeginn plädiert, mindestens von acht auf neun Uhr. Das mache die Jugendlichen fitter, lernfähiger und ausgeglichener. Die Aktion aus dem Kiwi-Land und die Forderung aus Nürnberg zusammen könnten als Basis dienen für ein Leben, das es den Menschen gestattete, sich intensiver den schönen Dingen zuzuwenden. Wessen Ohr permanent zugedröhnt wird, hat sein audielles Aufnahmepotenzial verbraucht, wenn er nach der Arbeit zu Hause eigentlich Schubert auflegen möchte. Ruhe und Gelassenheit dagegen schaffen Platz für Genuss und Freude, zwei lebenskulturelle Parameter, die mindestens so wichtig sind wie die Entdeckungen der Nobelpreisträger. Wenn sich das herumspricht, wird das Leben schön.