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Das ist schön:Lichtgestalten

Individuelle Ampelmännchen würden München schmücken

Emden hat's. Trier auch. Und nun also Fulda. Was den Ostfriesen der hüpfende Otto Waalkes, ist der Römerstadt an der Mosel ihr Karl Marx. Und Fulda? Nun, der Name der nordhessischen Stadt ist manch Älterem noch geläufig, weil dort bis zu seinem Tod anno 2000 der Erzbischof Johannes Dyba den Katholiken als Oberhirte diente, ein Mann, der für seinen monströsen Konservativismus berüchtigt war. Dyba also prangt nicht als stadtkulturelles Aushängeschild in Rot und Grün von Fuldas Verkehrsampeln. Aber ein bisschen katholisch sollte das dort aus aktuellem Anlass um den Dom herum inszenierte Ampeltheater dann doch sein. Man wählte als rot-grünes Männchen St. Bonifatius, der im achten Jahrhundert dort wirkte und das nach ihm benannte Kloster gründete.

Nun könnte es sein, dass auch in München die Diskussion um die grün-roten Leuchtmenschen wieder aufflammt, und zwar dahingehend, ob es der Stadt nicht angemessen erschiene, statt nur zeitlich beschränkt um den Christopher Street Day mit schwulen Ampelmännchen und lesbischen Ampelpärchen liberales Denken zu propagieren, sondern, wie Emden, Trier und Fulda, auf diese Weise kulturell verdienten Bewohnern der Stadt solche Ehre zukommen zu lassen. Überlegungen dieser Art sind aller Ehren wert. Provozieren aber logischerweise Streit und Ärger. Denn natürlich fällt einem sofort Franz Beckenbauer ein, der ein perfektes Ampelmännchen abgäbe, für Grün als Libero beim Traumpass, für Rot in kaiserlicher Denkerpose. Aber erstens würden solche Ampeln, platziert in der Gegend um das Grünwalder Stadion, mindestens blau-weiß überklebt, wenn nicht von wütenden Löwenfans mit der Flex gefällt. Und zweitens droht dem Manne gerade die rote Karte wegen der verschwundenen Millionen; Münchens Kaiser fällt also als Aushängemännchen flach.

Käme dann vielleicht der Kulturzauberer August Everding ins Gespräch, argumentierte mancher Einheimische, dass ein Mann, geboren in Bottrop, nie eine Münchner Ampel zieren dürfe. Der Metzgerssohn Franz Josef Strauß stammte zwar aus Schwabing, hätte aber im roten München auch einen schweren Stand. Und überhaupt: Warum immer nur Männer? Warum keine Ampelfrau? Uschi Obermaier fiel einem da ein, geht aber nicht, denn da blieben die Männer wohl auch bei Grün stehen, um zu gucken. Dann schon eher Liesl Karlstadt, die zwar eigentlich Elisabeth Wellano hieß, aber so münchnerisch war, wie eine Münchnerin nur sein konnte. Wozu leider auch gehörte, dass sie sich von ihrem Partner Karl Valentin bis aufs Blut drangsalieren ließ - auch keine Ampel. So bleibt dann wohl, nach "der" und "die" nur noch "das": das Tier, der Dackel. Rot als "Sitz!" und Grün im Trab. So kommt München wieder mal auf den Hund. Ist ja auch ganz schön.