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Das ist schön:Immer voller

Die Kammerspiele konnten ihre Auslastung im Dezember steigern

Diese Woche verkündeten die Kammerspiele, der Dezember 2019 sei mit 82 Prozent der auslastungsstärkste Dezember seit mehr als zehn Jahren gewesen. Matthias Lilienthal freut sich, schließlich war die Auslastung nicht immer so hoch. Vor zwei Jahren spukten 63 Prozent als Gesamtauslastung einer Saison durch die Presse. Eine Zahl, die für die erste Zeit nach einem Intendantenwechsel zwar nicht abenteuerlich niedrig, aber auch nicht traumhaft war. Man war zurecht bekümmert an den Kammerspielen.

Zur Erinnerung: Auslastung bedeutet nicht, wie viele Menschen ins Theater gehen, sondern wie viel Prozent der Plätze besetzt sind. Kulturinstitutionen jubeln da gern mal eine Zahl hoch, hinter der konkret gar nicht massenhaft Besucher stecken. Zehn Leute auf zehn Stühlen sind auch 100 Prozent. Gute oder schlechte Auslastung ist also immer relativ. Soviel zur Kulturmathematik. Die Kammerspiele aber haben allen Grund, auf ihre 82 Prozent stolz zu sein. Denn auch übersetzt wird die Zahl nicht weniger schön.

Die 52 Veranstaltungen im Dezember in allen drei Kammern besuchten insgesamt 18 000 Zuschauer. In der Kammer 1, in die rund 655 Menschen passen, fanden 25 Veranstaltungen statt, davon 20 hauseigene Theaterproduktionen. Am besten lief "King Lear" mit drei Vorstellungen und 1906 Zuschauern. Auch wenn die 2400 Besucher des Musikfestivals "Alien Disko" mit in die Statistik fließen, kann man nicht sagen, dass nur Wohlfühlprogramm zog. An zweiter Stelle nämlich stehen "Die Räuberinnen", eine wilde, lustige, kluge und im besten Sinne moderne Schiller-Inszenierung von Leonie Böhm. Auch "Dionysos Stadt" ist in der Zuschauergunst vorn dabei - und das dauert zehn Stunden. In der laufenden Saison waren bisher 48 300 Besucher in den Kammerspielen, macht eine Auslastung von 73 Prozent. Eine deutliche Steigerung zu den Vorjahren.

Die eigentliche Botschaft hinter all den Zahlen lautet natürlich: München und Lilienthals Kammerspiele haben sich nach einem holprigen Annäherungsprozess endlich eingegroovt. Man kennt die Stärken und die Schwächen des anderen und mag sich trotzdem. Die Zuschauer schätzen, wie an den Kammerspielen Theater gedacht und gemacht wird. Mit Produktionen wie eben den "Räuberinnen", "Dionysos Stadt" und "King Lear" haben Lilienthal und sein Team ihre künstlerische DNA, ihre Qualität dann auch endgültig donnernd manifestiert. Das ist schön. Dass sich Künstler und Publikum im Sommer wieder trennen müssen, wenn Lilienthal zu früh geht, ist hingegen bitter.

© SZ vom 18.01.2020
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