Damien Hirst und der Babyschädel Um Himmels willen

Wieder ein Schädel aus Platin, wieder verziert mit Diamanten - aber diesmal muss es ein Babyschädel sein: Künstler Damien Hirst provoziert wieder.

Von Alexander Menden

Die Behauptung, es sei ein wenig stiller geworden um Damien Hirst, wäre nicht völlig verfehlt. Immerhin belegt er er noch 2008 Platz eins in der vom Magazin Art Review erstellten Liste der 100 einflussreichsten Figuren der Kunstwelt, mittlerweile ist er auf Platz 53 abgerutscht. Selbst ein vergleichsweise ruhiges Jahr wie 2010 bedeutet für den 45-jährigen "Young Britsh Artist" allerdings: vier große Retrospektiven in den USA und Monaco, und lange Warteschlangen vor der Ausstellung seines diamantenverkrusteten Platinschädels "For the Love of God" im Florentiner Palazzo Vecchio.

Während 2010 arm war an den für Damien Hirst typischen kalkulierten Provokationen, lässt sich 2011 deutlich sensationeller an: Wenn der New Yorker Kunsthändler Larry Gargosian - derzeit übrigens Art-Review-Ranglistenplatz eins - kommende Woche in Hongkong seine neue Galerie eröffnet, wird dort ein Hirst-Werk die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen: "For Heaven's Sake" ist eine Art Neuauflage von "For the Love of God" - wieder ein Schädel aus Platin, wieder verziert mit Diamanten. Im Unterschied zur Arbeit von 2007 diente Hirst diesmal jedoch nicht ein Erwachsenen-, sondern ein Babyschädel als Vorlage.

Laut dem Daily Telegraph haben britische Elternverbände das Stück bereits als geschmacklos gebrandmarkt. Das Blatt zitiert Sally Russell, Gründerin der Gruppe "Netmums", die glaubt, das Kunstwerk habe eine "zutiefst verstörende" Wirkung auf Eltern, deren Kind gestorben sei. Jude Tyrell, Leiterin von Hirsts Kunstfabrik Science Ltd., betont, bei der Vorlage handele es sich um einen mehr als 100 Jahre alten Schädel aus einer anatomischen Sammlung: "Ich bin Mutter", so Tyrrell, "und ich finde das Werk selbst etwas seltsam, aber gleichzeitig auch wunderschön."

Hirst hat sich zu der Kontroverse noch nicht geäußert. Aber sie dürfte ihm gerade Recht kommen, um die Zeit bis zur Vorbereitung seines nächsten großen Coups zu überbrücken: Für das Olympiajahr 2012 plant er eine Ausstellung, die in beiden Londoner Tate-Galerien stattfinden soll.