"A Thousand Years" hatte schon alle Qualitäten, die bald danach einen echten Hirst auszeichnen sollten - doch ist das Spektakel noch roh zusammengesteckt, und es riecht scheußlich. Ein Jahr später zeigt Damien Hirst in der Saatchi Gallery einen Hai mit aufgerissenem Maul, bewegungslos in Formaldehyd schwimmend. "The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living" (1991) wird sofort eines der populärsten Kunstwerke des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Ein attraktiver Schocker, der Damien Hirst weit über die Szene hinaus berühmt machte, die ihn vor allem als Kurator der "Freeze"-Ausstellung in den Londoner Docklands geschätzt hatte, mit der er eine ganze Generation als "Young British Artists" etablierte. Sein Werk interessierte fortan auch ein Publikum, das mit zeitgenössischer Kunst nichts anfangen kann, ein Publikum, das sich für nichts so interessiert wie für ewige Werte und das dabei doch der Kreativität zutiefst misstraut. Der Megastar wurde dafür von Museen geschnitten. Schon 1996 gab er in einem Gespräch mit David Bowie trotzig an, eine Tate-Werkschau sei eher ein Begräbnis.

4. April 2012, 13:122012-04-04 13:12:37 © Süddeutsche Zeitung vom 04.04.2012/mapo/pak