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Comic:Lucky Luke ist tot

Lucky Luke

Kein schöner runder Geburtstag: Lucky Luke reglos und von Schaulustigen umringt im Kot der Straße.

(Foto: Egmont Verlag)

Darf das sein? Zum 70. Geburtstag des Cowboys erzählt ein neuer Comic von einem abgeklärten Westernhelden. Running Gag der Geschichte: Lucky Luke muss sich das Rauchen abgewöhnen.

Von Bernd Graff

Kann man so anfangen? Ein Duell, ein Schuss, ein Mann liegt mit dem Gesicht im Matsch der von Dauerregen aufgeweichten Hauptstraße von Froggy Town. Vor dem Saloon, daneben das Etablissement des Totengräbers. Wie praktisch. Man erkennt das rote Halstuch, das gelbe Hemd, die schwarze Weste, die Jeans und Stiefel. Und wirklich, der Schütze prahlt: "Haha. Ich habe die Legende getötet. Ich habe Lucky Luke erschossen." Wie bitte?

Da erreicht der über die Lichtphysik erhabene Western-Held - er schießt ja schneller als sein Schatten - gerade seinen 70. Geburtstag. Doch er begeht ihn nicht lonesome-einsam im Trab Richtung untergehende Sonne, sondern reglos und von Schaulustigen umringt im Kot der Straße. Das geht nicht. Der erste Tote in einem Lucky Luke-Comic überhaupt soll der Held selber sein? Das kann man doch nicht machen. Schon deshalb nicht, weil dieser neue Lucky-Luke-Band als "Hommage 1" deklariert ist. Und was wäre das für eine "Huldigung", wenn man den Geehrten gleich auf der ersten Seite ins Jenseits verabschieden würde!

Doch entstand dieser Band, der in Anlehnung an einen der besten Western der Kino-Geschichte, John Fords "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", entsprechend "Der Mann, der Lucky Luke erschoss" betitelt ist, mit Einwilligung des Dargaud-Verlags (Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Egmont Verlag, Köln 2016. 64 Seiten, 15 Euro). Und der wacht sonst streng darüber, dass der Zeichenstil des 2001 verstorbenen Lucky-Luke-Schöpfers Maurice des Bevere alias Morris und das Humor-Niveau René Goscinnys, der die Abenteuer von 1955 bis 1977 textete, beibehalten werden.

Wie es zu dem Schuss kommen konnte

Seit Morris' Tod zeichnet Achdé den Cowboy unbestimmten Alters. Jetzt aber, 70 Jahre nach seinem ersten Sprechblasen-Ritt, hat man dem Zeichner Matthieu Bonhomme gestattet, ein Lucky Luke-Abenteuer zu gestalten. Bonhomme hat die Walfänger-Serie "Esteban" gezeichnet, im Vorwort nennt er Lucky Luke einen "Weggefährten, einen engen Freund seit meiner Kindheit."

Folglich erzählt Bonhomme sehr emphatisch, wie es zu dem Schuss kommen konnte. Er hält sich an das Lucky-Sujet und dessen Diktion; seine Geschichte kommt im Cinemascope-Breitformat des John Ford auch oft völlig ohne Dialoge aus. Man lernt so, wie der Cowboy, natürlich auf seinem Pferd Jolly Jumper, Fährten liest, um einen Postkutschenraub aufzuklären, den angeblich ein Indianer verübt haben soll. Das gesamte Personal aber ist hier wesentlich reifer, abgeklärter, realistischer und nuancenreicher dargestellt als im "Original". Viele der Posen, Outfits, Szenen kennt man aus klassischen und Italo-Western des Kinos.

Ein sehr gut durchgehaltener Running Gag zeigt, wie Lucky Luke sich das Rauchen abgewöhnen musste, weil unter anderem der Tabak für die Friedenspfeife von dem sintflutartigen Regen durchnässt wurde. Lucky Luke ist mit 70 Jahren also doch noch erwachsen geworden.

© SZ vom 09.11.2016/jobr
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