bedeckt München 17°

CDs der Woche - Die Retrokolumne:Scared To Get Happy

Es gibt diese Tage, an denen die ganze Welt unter schweren Wolken begraben ist, aber ab und zu schafft ein einzelner Sonnenstrahl den Weg auf die Erde, nur ganz kurz, nur ganz zaghaft, aber schon dafür ist man endlos dankbar. Ungefähr so muss es sich angefühlt haben, im England der frühen Achtzigerjahre jung zu sein. Das Leben: grau. Die Lichtblicke: Songs. Die Box "A Story Of Indie Pop 1980 - 1989" (Cherry Red/Rough Trade) versucht mit 134 Stücken auf fünf CDs, diese Zeit nachzuzeichnen.

CD-Box "Scared To Get Happy - A Story Of Indie Pop 1980 - 1989"

134 Stücke sind in der CD-Box versammelt. Was sie verbindet, ist der Weltschmerz, der Ruß der Arbeitervorstädte und die Sehnsucht nach Flucht.

(Foto: Cherry Red/Rough Trade)

Indie Pop also, hier mal grob definiert als der schmale Streifen zwischen New Wave (düster) und Mainstream-Pop (plastikbunt). In Bands gesagt: alles von Prefab Sprout bis TV Personalities, von Aztec Camera bis James, von Soup Dragons bis Primal Scream. Schon bei diesen paar Namen wird klar: Die Grenze zur Beliebigkeit ist in Sichtweite. Jerry Reed, Betreiber des Labels Cherry Red und Kompilator der Box, schafft es trotzdem, die Songs gut ineinander fließen zu lassen. Punk war damals gerade vorbei, frühe Shoegazer-Melancholie trifft auf erstes schüchternes Prä-Britpop-Getöne. In den Gitarren steckt noch die Wut (und die Unbeholfenheit) des Punk, in den Stimmen zeigt sich oft der Wille, Bleibendes zu schaffen, wenn alles gut geht, vielleicht sogar einen Radiohit - etwas, das bleibt. Immer bleibt erkennbar, was die Bands verbindet, der hellhäutige Weltschmerz, der Ruß der Arbeitervorstädte, die Sehnsucht nach kurzen Momenten der inneren Flucht.

Indie, das bedeutet nicht nur Unabhängigkeit, sondern auch Außenseitertum. Die bekanntesten Namen sind mit schönen Fundstücken vertreten, die La's mit "Son Of A Gun" in einer Demo-Version, die Stone Roses mit der Single-B-Seite "The Hardest Thing In The World". Und dann sind ungefähr 50 Namen zu entdecken, die selbst manische Indie-Fans kaum kennen werden (sofort liebenswert: The Pooh Sticks - je von denen gehört?). Runde Sache.