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Nachruf auf Burkhard Driest:Pornoschmuggler? "Ein lukrativer Job!"

Schauspieler und Autor Burkhard Driest gestorben; Schauspieler und Autor Burkhard Driest gestorben

Burkhard Driest: In der Verfilmung seines Lebens spielte er nicht sich selbst, sondern den Bösewicht Walter "Tiger" Kuul.

(Foto: Björn Vogt/dpa)

Nach einer Karriere als Jurastudent, Bankräuber und Film-Importeur wurde Burkhard Driest Schauspieler, Autor und Maler. Über ein Leben, das sogar Romy Schneider begeisterte.

Auf die Frage, ob die Kunst das Leben imitiert oder umgekehrt, hat Burkhard Driest vermutlich auch keine abschließende Antwort gefunden. Aber als Bankräuber war er sehr stolz, "in einer Aufmachung abgeführt zu werden, die dem Kostüm Belmondos in ,Außer Atem' nachgeschneidert war".

Vor seiner Karriere als Schauspieler, Autor und Maler verbrachte Driest Mitte der Sechziger einige Zeit im Gefängnis, weil er kurz vor seinem Juraexamen die Sparkasse in Burgdorf überfiel und eine Freundin ihn an die Polizei verriet. Er wurde zu fünf Jahren verurteilt, aber bereits nach drei Jahren wegen guter Führung entlassen. Danach verdingte er sich als Gelegenheitsarbeiter im Hamburger Hafen, kam mit dem Kiezmilieu in Kontakt und wurde ein Pornofilmschmuggler, der heiße Ware von Dänemark nach Deutschland brachte. "Ein lukrativer Job", wie er später in einer fidelen Biografie auf seiner Homepage schrieb.

Auf einer nächtlichen Fahrt nach Kopenhagen hatte er einen Unfall und musste wegen einer Verletzung an der linken Schulter die Arbeit und auch sein liebstes Hobby, das Malen, ruhen lassen. Stattdessen verarbeitete er seine Knastzeit in dem Roman "Die Verrohung des Franz Blum", den er auf Tonband diktierte und der 1974 erschien.

"Sie gefallen mir! Sie gefallen mir sehr!", sagte Romy Schneider zu ihm

Noch im selben Jahr wurde das Buch von Reinhard Hauff verfilmt. Driest schrieb selbst das Drehbuch, spielte aber nicht die Hauptrolle, die Jürgen Prochnow übernahm, sondern den Bösewicht Walter "Tiger" Kuul. Der Auftritt brachte ihm ein paar hübsche Folgeengagements ein. Am Theater spielte er unter anderem in Bochum für Peter Zadek den Kowalski in "Endstation Sehnsucht". Im Kino war er meist nicht in der ersten Reihe zu sehen, machte aber trotzdem große Regisseure auf sich aufmerksam. 1977 drehte er mit Sam Peckinpah "Steiner - Das eiserne Kreuz", 1982 "Querelle" mit Rainer Werner Fassbinder - auch hier schrieb er am Skript mit.

Zu diesem Werk muss man unbedingt auch seinen legendären Talkshow-Auftritt in Dietmar Schönherrs TV-Sendung "Je später der Abend" zählen. 1974 war das, als im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch Aschenbecher herumstanden und Männer ganz unironisch ihr Brusthaar zwischen Hemdende und Goldkettchen hervorquellen lassen konnten. Driest fummelte die Zigaretten aus einem zerknautschten Softpack und steckte sie cowboymäßig mit dem Zippo an.

Er hatte das große Glück, dass an diesem Abend auch die bestens aufgelegte Romy Schneider zu Gast war, die spitzbübisch mit ihm flirtete und ihre hübsche Hand auf seine Lederjacke legte, während er seine Männergeschichten aus dem Zuchthaus referierte. "Sie gefallen mir! Sie gefallen mir sehr!", rief Schneider. Am Donnerstag ist Burkhard Driest nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben.

© SZ vom 29.02.2020
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