Bücher des MonatsIdeale Orte zum Verstecken

Dagmar Leupold setzt in "Lavinia" alles daran, ein Ich zum Verschwinden zu bringen. Jürgen Habermas' Opus magnum verdient Bewunderung. Und es wäre verfehlt, Elizabeth Jane Howard naiven Tagebuch-Autobiografismus vorzuwerfen.

Aus der SZ-Redaktion

Dagmar Leupold: Lavinia

Autobiografien sind ideale Orte, um sich zu verstecken. Gerade weil sie als literarisches Genre der Offenbarung des Verborgenen, der Enthüllung des Verschwiegenen gelten, kann man sich in ihnen verkriechen. Was zählt, ist die Geste: Seh' her, ich bin's! Und so setzt auch Dagmar Leupold in "Lavinia" alles daran, ein Ich zum Verschwinden zu bringen. Sie verhüllt sich in der überquellenden Sprache. Alles Private und Intime staubt auf in einer Wolke von literarischen, mythologischen, philosophischen, sprachtheoretischen Referenzen. Dadurch wird die erzählte Geschichte unter einem Berg aus Bildungsornat begraben, der das Versteckspiel des Ich erlaubt.

Lesen Sie hier eine ausführliche Rezension von Hubert Winkels.

Bild: Verlag: Jung und Jung 27. November 2019, 04:562019-11-27 04:56:12 © SZ.de/cag