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Bücher des Monats:Weit weg und doch ganz nah

Drei Frauen erzählen von einem berühmten Mann, Reiseberichte, die gehütet wurden wie Schätze, werden wiederentdeckt. Und eine lieblose Ehe scheint der einzige Ausweg aus der Umklammerung einer Familie: die besten Bücher des Monats.

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Sweetest Fruits

Quelle: C.H.Beck

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Der Schriftsteller Lafcadio Hearn, Provinzler im Herzen und weltgewandt wider Willen, hat das westliche Bild von Japan um 1900 geprägt und mit seinem tragischen Leben seine Leser fasziniert. Von diesem Mann erzählt nun die amerikanische Autorin Monique Truong aus der Perspektive dreier Frauen: Seiner griechischen Mutter Rosa Cassimati, seiner afroamerikanischen ersten Ehefrau Alethea Foley und seiner zweiten Frau Koizumi Setsu. Ein Roman voll Delikatesse und Empathie und ein dramaturgisches Kunststück.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Hubert Winkels.

Monique Truong: Sweetest Fruits. Roman. Aus dem Englischen von Claudia Wenner. Verlag C. H. Beck, München. 349 Seiten, 23 Euro.

Wasser und Zeit

Quelle: Suhrkamp / Insel

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Wo früher der Gletscher Ökjökull war, steht heute ein Schild auf dem steht: "All unsere Gletscher werden im Lauf der nächsten 200 Jahre dasselbe Schicksal erfahren. Dieses Denkmal bezeugt, dass wir wissen, was passiert und was getan werden muss. Ihr allein wisst, ob wir es getan haben." Sätze des isländischen Schriftstellers Andri Snær Magnason. Wenn es um die globale Erwärmung geht, wirken viele Begriffe abstrakt und fatal weit weg vom eigenen Alltagsleben. Aber nicht wenn Magnason darüber schreibt, zum Beispiel in seinem Buch "Wasser und Zeit".

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Alex Rühle.

Andri Snær Magnason: Wasser und Zeit. Eine Geschichte unserer Zukunft. Aus dem Isländischen von Tina Flecken. Insel Verlag, Berlin 2020. 304 Seiten, 24 Euro.

Seidenraupenzimmer

Quelle: Aufbau Verlag

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Ein Alien und ein Magical Girl: ein unmögliches Liebespaar. Finden zumindest die Eltern der Hauptfiguren von Sayaka Muratas Roman "Das Seidenraupenzimmer", in dem es für die Ich-Erzählerin Natsuki keinen anderen Ausweg aus ihrer rigiden Familie gibt, als den in eine lieblose Ehe. In ihrer Geschichte verschränken sich kapitalistische Produktion und menschliche Reproduktion zu einem Regime über weibliche Körper. Und die Frage ist, ob daraus ein Entkommen möglich ist.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Jonas Lages.

Sayaka Murata: Das Seidenraupenzimmer. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Aufbau Verlag, Berlin, 2020. 256 Seiten, 20 Euro.

Sommer in Baden Baden

Quelle: Aufbau Verlag

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Leonid Zypkin hat für die Schublade geschrieben. 1926 in Minsk geboren als Sohn einer jüdischen Familie, überlebte er die deutsche Besatzung, konnte aber auch in der sowjetischen Zeit lange nicht veröffentlichen. Erst 1982 erschien in einem New Yorker Emigrantenmagazin "Ein Sommer in Baden-Baden", ein Reisebericht auf den Spuren von Dostojewski. Der ist jetzt neu auf Deutsch erschienen, zusammen mit dem tief verletzlichen autobiografischen Roman "Die Brücke über den Fluss". Eine große Wiederentdeckung.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Fabian Wolff.

Leonid Zypkin: Ein Sommer in Baden-Baden. Roman. Aus dem Russischen von Alfred Frank. Aufbau Verlag, Berlin 2020. 312 Seiten, 24 Euro.

Reiseberichte

Quelle: Suhrkamp

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Der Suhrkamp-Verlag ist gerade 70 Jahre alt geworden und zu den Geburtstagsgeschenken, die man sich selbst gemacht hat, gehört dieser Band mit 35 der Berichte, die der große Verleger Siegfried Unseld am 1959 nach jeder Reise schrieb, die er für den Verlag antrat. Im Hause zirkulierten sie wie Betriebsgeheimnisse. Jetzt kann man in diesen Dokumenten der Literaturgeschichte lesen.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Thomas Steinfeld.

Siegfried Unseld: Reiseberichte. Herausgegeben von Raimund Fellinger. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 384 Seiten, 26 Euro.

© SZ.de/tmh

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