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Buch von Jonas Jonasson:Nicht besonders witzig, aber immerhin besonders

So entstehen, nacheinander, drei zumindest zeitweilig erfolgreiche und stets jenseits der Legalität agierende Unternehmen: zuerst eine "Firma der Körperverletzungsbranche", in der "Mörder Anders" für die Verletzungen zuständig ist, sodann eine der in Schweden so beliebten Freikirchen, in der er als buchstäblich berauschender Erweckungsprediger auftritt. Das dritte Unternehmen schließlich besteht in einer Wohltätigkeitsorganisation mit doppeltem Boden, deren "frontman" wiederum der Mörder spielen muss, auch wenn er sich deswegen in den Weihnachtsmann zu verwandeln hat.

Und während das Trio seine Bahn durch halb Schweden zieht und dabei seltsam unverletzt alle Hindernisse und Wechselfälle des Lebens umkurvt, ereignen sich um die drei Helden herum die unglaublichsten Dinge: Gemetzel, Diebstähle, Gelage, Explosionen, Feuersbrünste und Polizeieinsätze der größeren Art.

Auch der Erzähler nimmt diese Ereignisse ebenso aufmerksam wie ungerührt zur Kenntnis, dabei unverdrossen kalauernd: "Die Frau kochte gerade Steckrüben und wollte eigentlich nirgendwohin fahren, aber aufgrund der Rücksichten, die hier zu nehmen waren, konnte darauf keine Rücksicht genommen werden." Solche Scherze sind nicht besonders lustig, aber offenbar lustig genug, wenn man in diesem Ton von Mord und Totschlag und all den anderen Dingen erzählt, die in einem gewöhnlichen Leben als demokratischer Untertan nicht vorkommen.

Das literarische Pendant der Yellow Press

Das Schwedische hat (genauso wie das Englische oder das Französische) eine eigene Vokabel für eine Erzählung, deren Glaubwürdigkeit sich ungefähr auf dem Niveau der Geschichten befindet, die Astrid Lindgrens "Karlsson vom Dach" lauthals in die Welt setzt: "Skröna" ("tall tale", "grand conte") lautet das Wort, zu dem es keine deutsche Entsprechung gibt, und zu einer solch haltlosen Übertreibung gehört eine enge Beziehung zum Klamauk.

Jonas Jonasson holt die "skröna" in die Literatur zurück, wobei er sich die Inspiration aus einer Quelle zu beschaffen scheint, die er aus seiner beruflichen Vergangenheit kennt und die den Aufstieg des "Mörders Anders" zur nationalen Prominenz nicht nur begleitet, sondern überhaupt erst ermöglicht: die schwedischen Abendzeitungen. Sie sind Boulevard und Volkstribun zugleich und besitzen, aus eben diesem Grund, eine Lizenz zur parabolischen Verkürzung, wie sie in Europa allenfalls der britischen Yellow Press zu eigen ist.

"Mörder Anders im Exklusivinterview: ,Ich will wieder töten'", lautet die realistisch erfundene Überschrift, die über dem ersten öffentlichen Auftritt des Helden prangt. Es ist dasselbe Verfahren der verknappenden Personifikation, aus der Jonas Jonasson seine Figuren wie auch seine Geschichten schöpft (und die Cornelis Vreeswijk sein ganzes öffentliches Leben lang begleitete). Es verweist zurück in die Moritat.

Selbstverständlich sind Jonas Jonassons Geschichten albern. Aber es gibt nichts, was gegen grundlose Heiterkeit vorzutragen wäre. Sie muss nur rechtzeitig aufhören können. Denn nichts ist humorloser als erzwungene Heiterkeit. Deswegen gibt es zumindest einen Einwand gegen dieses Buch: Spätestens von der hundertfünfzigsten Seite an gleicht die Lektüre den Kreisverkehren in Småland. "Per Persson fluchte, bog abwechselnd nach links, rechts, links ab, fuhr geradeaus durch einen Kreisverkehr, fuhr geradeaus durch einen weiteren Kreisverkehr, fuhr geradeaus durch noch einen Kreisverkehr (so sieht es nämlich aus in Växjö), nahm am vierten und fünften Kreisverkehr die zweite Ausfahrt rechts, fuhr geradeaus . . .". Man kann diese Technik auch stationär zusammenfassen: Sie gleicht dem angestrengten Versuch, sich die Mundwinkel in einem steilen, nach oben gerichteten Winkel an den Ohren festzubinden. "Ta mig fan".

"Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind" von Jonas Jonasson

"Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind" von Jonas Jonasson, erschienen bei carl's books, 19,99 €

(Foto: carl's books)
© SZ vom 21.04.2016/jobr
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