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Bond-Roman "Trigger Mortis":Asbach Ur-Bond

In einer Londoner James-Bond-Ausstellung war 2012 diese Hommage an den Film "Goldfinger" zu sehen.

(Foto: Carl Court/AFP)

Kongenial gemixt: Anthony Horowitz schickt in seinem James-Bond-Roman "Trigger Mortis" Agent 007 zurück in die Martini-Ära.

Von Alexander Menden, London

James Bond trinkt jetzt Asbach Uralt. Und er findet im Dienst die Muße, über Bausünden in der Kölner Innenstadt zu sinnieren: "Er fuhr durch die Überreste des alten Köln und dachte über die Krankheit nach, die eine ganze Nation erfasst und in die fast vollständige Zerstörung gestürzt hatte (. . .) Die ganzen Wiederaufbaubemühungen - die neuen Parks, die Seen, die Straßenbahn, die unglaublich hässlichen Wohnhausblocks, die auf allen Seiten aus dem Boden schossen - konnten sie nicht übertünchen."

Wenig später wird Bond in einem Maserati über den Nürburgring kurven, wo eine verwickelte, aberwitzige und angemessen packende Sabotage- und Spionagestory alten Schlages ihren Ausgang nimmt. Es ist nicht der ewig junge Film-Bond, den Anthony Horowitz in "Trigger Mortis" ins Rheinland und nach New York schickt; nicht einmal der Saab fahrende Bond, als den John Gardner den Agenten in den Achtzigerjahren vorübergehend neu erfand. Nein, "Trigger Mortis" knüpft da an, wo Flemings "Goldfinger" endet.

Pussy Galore, das beste Bond-Girl aller Zeiten, ist mit Bond nach London gereist. Während Pussy im Ritz speist und dabei versucht, amerikanischen Gangstern aus dem Weg zu gehen, bestellt M Bond in sein Büro und erteilt ihm den nächsten Auftrag. Er soll an einem Rennen auf dem Nürburgring teilnehmen und dabei einen britischen Rennfahrer vor einem Anschlag der russischen Spionageorganisation Smersch schützen. Dass die Handlung im Jahr 1957 angesiedelt ist, hat unter anderem den Vorteil, diese Idee einigermaßen plausibel erscheinen zu lassen: In den Fünfzigern hätte man sich vielleicht tatsächlich noch als reicher Gentleman Racer in ein professionelles Autorennen schmuggeln können; heute wäre das selbst für einen Bond-Roman ein bisschen weit hergeholt.

Tatsächlich stammt der Nürburgring-Nukleus der Story von Fleming selbst. Dessen Erben überließen Horowitz ein paar Seiten aus einem Drehbuch zu einer Bond-TV-Serie, die nie gedreht wurde. Sie sind einer Teilauflage der britischen Ausgabe angehängt; Horowitz hat den Dialog zwischen Bond und M nahtlos in seinen Roman eingebaut.

Überhaupt schien der sechzigjährige Brite die logische Wahl, die Bond-Legende fortzuspinnen: Er ist Schöpfer der Bestseller-Romanreihe über Spion Alex Rider, einen Teenager-James-Bond für junge Leser. In einem Daily Mail-Interview gestand er jüngst, er habe sein ganzes Leben auf diese Chance gewartet. Er sei sogar ein wenig beleidigt gewesen, dass in den letzten Jahren drei andere Autoren - Sebastian Faulks, Jeffery Deaver und William Boyd - gebeten worden waren, Bond-Romane zu schreiben, bevor man auf ihn kam: "Als sie mich endlich fragten, war ich kurz davor, zu sagen: Wird auch Zeit!" Im gleichen Interview trat Horowitz ins Fettnäpfchen, als er Spekulationen darüber, ob der schwarze Schauspieler Idris Elba vielleicht einmal Bond spielen könnte, mit der Bemerkung abtat, man assoziiere Elba zu sehr mit der "Straßenkultur" ("probably a bit too 'street'"). Das wurde ihm als rassistisch ausgelegt und führte zu einer hastigen Entschuldigung des Autors.

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