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Bildende Kunst:Geist über dem Sand des Meeres

Eine kleine Sensation: Die Venedig-Bilder des britischen Kunstkritikers John Ruskin werden zum ersten Mal in der Lagunenstadt gezeigt. Sie prägten die populäre Wahrnehmung der Serenissima.

Von Thomas Steinfeld

Die Vergänglichkeit gehört zur Schönheit. John Ruskins Aquarell „Ca’ d’Oro“ (1845).

(Foto: Ruskin Foundation (Ruskin Library, Lancaster University))

Gerettet werden muss Venedig, so scheint es, immer wieder aufs Neue. Aber seit wann ist das so, und wer fing an, die Stadt vor ihrem Untergang bewahren zu wollen? "Noch", schrieb ein Besucher im Herbst 1849, kurz nachdem die Österreicher den Versuch, einen venezianischen Staat als revolutionäre Republik neu entstehen zu lassen, mithilfe der Artillerie niedergeschlagen hatten, "bietet sich Venedig der Anschauung in der letzten Phase des Verfalls dar: ein Geist über dem Sand des Meeres, so schwach, so still, allem beraubt außer der Schönheit. . ." Bei der Entstehung der Vorstellung, Venedig sei dem Untergang geweiht und müsse gerettet werden, hatte der Autor dieser Zeilen, der englische Kunstkritiker John Ruskin, zumindest geholfen. Und mehr als das: "Ich würde mich darauf einlassen, die Umrisse dieses Anblicks festzuhalten, bevor er verschwindet." Aus diesem Vorsatz ging ein großartiges, dem Widerstand gegen die Zeit gewidmetes Unternehmen hervor, wie es in der Kunstgeschichte kein zweites gibt: eine auf Vollständigkeit hin angelegte Dokumentation der vermeintlich bald verlorenen Stadt in Zeichnungen, Aquarellen, Stichen, Fotografien und Essays, die John Ruskin zu einem großen Teil in dem dreibändigen Werk "The Stones of Venice" (1851 bis 1853) veröffentlichte.

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