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Bildband über Mikis Theodorakis:"Wir müssen keine Angst haben"

Komponist, Widerständler, Politiker: Zum 85. Geburtstag von Mikis Theodorakis gibt ein Fotoband Einblicke in das bewegte Leben der griechischen Symbolfigur.

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Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Theodorakis-Archiv

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Komponist, Widerständler, Politiker: Zum 85. Geburtstag von Mikis Theodorakis gibt ein Bildband Einblicke in das bewegte Leben der griechischen Symbolfigur.

Am meisten, so erinnert sich Mikis Theodorakis, habe ihn in seiner frühen Kindheit ein weißes Schiff mit dem Namen Alberta beeindruckt, das zweimal in der Woche an seiner Insel vorbeizog. Und dazu das blaue Meer. Das Gefühl einer "unfassbaren Schönheit" habe dieses Bild in ihm hinterlassen, und noch immer versuche er diese Empfindung in Musik zu verwandeln, sagt der Komponist Mikis Theodorakis, der am morgigen Donnerstag 85 Jahre alt wird.

Theodorakis 1960 mit Freunden in einer Athener Taverne.  

Text: Christiane Schlötzer/ sueddeutsche.de/luc.

Alle Bilder entnommen aus: "Mikis Theodorakis - ein Leben in Bildern" von Asteris Kutulas, Schott Verlag 2010.

Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Theodorakis-Archiv

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Theodorakis, der 1925 auf der Insel Chios geboren wurde, ist vielleicht der griechischste aller griechischen Komponisten. Auf Fotos aus jener frühen Zeit ist das Meer immer grau, die Blicke in die Kamera eher ernst. Großmutter Stamatia trauerte der verlorenen Heimat in Kleinasien hinterher, und auch der kleine Mikis schaut fast so streng wie ein Alter in die Linse, wenn er mit Vater und Mutter einen Ausflug auf die Akropolis macht. Für einen Bildband hat der Grieche nun sein persönliches Archiv geöffnet.

Theodorakis bei einem Konzert zu Ehren des einige Tage zuvor verstorbenen Kennedy im Kentrikon-Theater am 25. November 1963.

Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Theodorakis-Archiv

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Das Buch ist eine Hommage an den Künstler und Kämpfer Theodorakis, an den Mann, dessen bewegtes Leben stets der Geschichte seines Landes folgte: vom Widerstand gegen die Nazi-Okkupation über das Engagement für die linke Befreiungsfront im Bürgerkrieg, gefolgt von Verhaftungen, Deportation, Folter und Verbannung während der Diktatur der Obristen Ende der sechziger Jahre.

Demonstration in Serres nach einem Bombenanschlag auf das Büro der Lambrakis-Jugendbewegung.

Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Theodorakis-Archiv

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Der Autor Asteris Kutulas, mehr als eine Generation jünger als Theodorakis, gehört seit langem zu den Bewunderern und Wegbegleitern des Komponisten. Kutulas wurde einst als Sohn griechischer Emigranten, die nach dem Bürgerkrieg das Land verlassen mussten, in Rumänien geboren. In seinen Interviews mit Theodorakis, die den Band bereichern, spielt die Politik ebenso eine Rolle wie die Musik.

Theodorakis 1972 mit Mathilda und Pablo Neruda in einem Pariser Musikstudio, wo den beiden zum ersten Mal die fertigen Teile von "Canto General" vorgestellt wurden.

Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Theodorakis-Archiv

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Berühmt wurde und weltweit verehrt wird Theodorakis bis heute für die Musik zu Alexis Sorbas. Der Film wurde 1964 auf Kreta gedreht und prägte das Griechenlandbild von Generationen. Theodorakis empfand bald die Popularität dieses Films als zweifelhaftes Glück: "Viele Menschen glauben doch tatsächlich, ich hätte nur 'Taram-taram-taram' geschrieben." Der Halbkreter Theodorakis - sein Vater stammte von der Insel - bedauert noch immer, dass seine Symphonien und Opern außerhalb Griechenlands kein annähernd so großes Publikum gefunden haben.

Immer wieder gespielt und von vielen Interpreten vertont aber werden die Lieder, die Theodorakis zu den Gedichten berühmter griechischer Lyriker komponierte, so unter anderem zu den Werken von Ritsos, Seferis und Elytis. Viele davon wurden Welthits, trotz der oft melancholischen Klänge und der anklagenden, bitteren Geschichten, von denen die Poeten erzählen.

Anthony Quinn und Theodorakis am 29. Juli 1995 auf dem Königsplatz in München nach der konzertanten Aufführung des "Zorbas"-Balletts.

Mikis Theodorakis Bildband

Quelle: Privatier

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Der Bildband folgt den Stationen eines langen Musikerlebens, zeigt Theodorakis im Kreis von prominenten Verehrern und politischen Begleitern. Zu den schönsten aber gehören einige der frühen Aufnahmen oder private Bilder mit der lebenslangen Gefährtin Myrto. Ein Satz aus einem Interview mit dem deutschen Künstler Joseph Beuys, das auf den 160 Seiten auch abgedruckt ist, liest sich nun, fast 40 Jahre später, wie ein Kommentar zur aktuellen Lage in Griechenland. Theodorakis: "Wir müssen keine Angst haben; das Leben geht weiter...Es wäre langweilig, wenn alles vollkommen wäre..." Das hätte so auch Sorbas sagen können.

Theodorakis bei der Aufführung des Oratoriums "Axion-Esti" im Gewandhaus Leipzig 1982.

© sueddeutsche.de/luc

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