Der Unterschied zwischen den Gesellschaftsmalern des 19. Jahrhunderts und den Glamourfotografen unserer Zeit liegt im Blick. Gesellschaftsmaler waren letztlich professionelle Opportunisten, die das Statusdenken ihrer Auftraggeber in den Fürsten und Bürgerhäusern künstlerisch umsetzen mussten.

Glamourfotografen sind jedoch Meister in der Inszenierung von Sehnsüchten. Da dreht sich das Machtverhältnis zwischen Porträtist und Subjekt. Wenn sich Anna Skladmann dem großen Thema der neuen russischen Eliten über die Kinder nähert, dann schafft sie einen zweiten Bruch, weil sie ja nicht die Protagonisten ihre Themas abbildet, sondern die Hineingeborenen, die künftigen Erben.

Das wirkt zunächst einmal unangenehm, weil Kinder fast immer die Projektionen ihrer Eltern verkörpern, ob sie nun in Hipsterkleidung auf den Spielplätzen des Münchner Glockenbachviertels herumtollen, oder ob sie in Oligarchen- und Divaposen in den Herrschaftssitzen der Moskauer Oberschicht posieren.

Ilona und Ella in einem Ruderboot, Moskau 2009

Bild: Anna Skladmann, Kehrer Verlag 15. September 2011, 13:342011-09-15 13:34:29 © SZ vom 15.09.2011/pak/bgr