Bambi 2014 Wir sind Helden

Auf der Bühne die bewundernswerte Diva, abseits die kühle Leinwandgöttin: US-Schauspielerin Uma Thurman bekam den Bambi als beste internationale Schauspielerin.

(Foto: dpa)

Helene Fischer muss weg, Johannes B. Kerner sorgt für Tränen, es werden mal wieder die Falschen ausgezeichnet - trotzdem ist alles bombastisch. Die 66. Bambi-Verleihung war ein bisschen weniger lahm als üblich. Wäre da nicht die letzte halbe Stunde gewesen.

Von Ruth Schneeberger, Berlin

Na ja, es gab schon ein paar Überraschungen beim diesjährigen Bambi. Dass zum Beispiel Johannes B. Kerner einmal als Aufwärmer tätig sein würde, hätte er vor ein paar Jahren wohl auch noch nicht für möglich gehalten. Noch bevor die Show in der ARD losgeht, ist der ehemalige öffentlich-rechtliche Dauer-Talker am Donnerstagabend dafür zuständig, die Stimmung im Saal anzuheizen. Noch bevor Gastgeber Hubert Burda zur Begrüßung sagt, dass er den scheidenden Bürgermeister Wowereit sehr vermissen werde, weil der das mit Berlin alles so gut gemacht habe.

Eine weitere Überraschung gleich zu Beginn: Nachwuchs-Sängerin Ariana Grande ist nun doch schon Popstar genug, um den Gang über den roten Teppich und die damit verbundenen Interviews kurzfristig sausen zu lassen, was für Verstimmung unter Journalisten sorgt. Und Uma Thurman ist - entgegen den späteren Beteuerungen auf der Bühne - auf dem roten Teppich dann doch nicht der auf dem Boden gebliebene Star zum Anfassen, sondern mindestens so unnahbar und kühl wie ihr Image. Sie inszeniert sich bei ihrer Ankunft als überirdische Göttin. Für die kreischenden und flehenden Fans in der Kälte hat sie bis auf wenige Ausnahmen nur eine flüchtige Kusshand übrig.

Überhaupt ist der Empfang vor dem Stage Theater am Potsdamer Platz diesmal frostiger als beim vergangenen Mal, als sich die Teenies für Miley Cyrus und sogar Oliver Pocher noch stundenlang die Seele aus dem Leib geschrien hatten. Dafür war die Verleihung selbst diesmal zumindest ein bisschen spannender.

Helene Fischer haut schnell ab

Zu Beginn singt zwar Helene Fischer wieder einmal "Atemlos" und bekommt dafür wieder einmal einen Bambi verliehen. Aber immerhin moderiert sie diesmal nicht gleichzeitig auch noch die gesamte Show, sondern verabschiedet sich schnell wieder - um zu ihrem eigenen Konzert in die O2-Arena zu eilen.

Die nächste Überraschung ist Bastian Schweinsteiger auf der Bühne, der wie viele andere Laudatoren anstelle einer Gesamt-Moderation mehrfach auf die Bühne kommt. Da geht ein Staunen durch den Saal; der neue Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft wirkt strahlender denn je. Dass er für Moderationstätigkeiten genauso wenig geeignet scheint wie danach das deutsche Supermodel Toni Garrn, ist dabei ziemlich egal: Das Publikum sieht beide trotzdem gerne. Garrn trägt so gut wie nichts - zumindest in der Körpermitte.

Die Bambis für Schweinsteigers Kollegen Miroslav Klose und Philipp Lahm für ihre Leistungen bei der WM sind keine Überraschung, genauso wenig wie der "Millenniums-Bambi", der Michael Schumacher in Abwesenheit verliehen wird, und der Bambi, den Helmut Dietl für sein Lebenswerk erhält - alles absehbar oder schon zuvor verkündet worden.

Dietls Exfrau rollt mit den Augen

Für Erstaunen auf der einen und Bewegtheit auf der anderen Seite sorgte dann aber wiederum die Dankesrede von Regie-Legende Dietl, der nicht nur unter dem Augenrollen einer seiner ehemaligen Gattinnen vom Zustandekommen der gemeinsamen Tochter berichtet, sondern auch darum bittet, alle weiteren Lebenswerk-Auszeichnungen für ihn recht schnell zu vergeben, weil er dafür schließlich noch am Leben sein müsste. Der 70-jährige Dietl leidet an Lungenkrebs.

Überraschend auch die flammende Dankesrede der dänischen Kronprinzessin Mary. Sie kam mit ihrem präköniglichen Gatten als eine Art Stargast angereist und erhielt für ihre Stiftung den Charity-Bambi. Die gebürtige bürgerliche Australierin fand kluge und mitreißende Worte für ihr Engagement gegen Mobbing und Vereinsamung. Jeder habe ein Recht, an der Gesellschaft teilzuhaben. Darüber hinaus hätten wir alle eine Verantwortung dafür, dass nicht länger jede dritte Frau in Europa physischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt werde.