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"Apollo 18" im Kino:40 Stunden Mond

Verschollene Astronauten, Russen und jede Menge unliebsame Zeitgenossen - in "Apollo 18" treffen sie zum Showdown auf dem Mond zusammen. Der Film über eine geheime Mission ist eine melancholische Studie über die Einsamkeit des Menschen - und dabei angenehm ironisch.

Fritz Göttler

Apollo 18 war anders. Die Luft war irgendwie raus, Anfang der Siebziger, aus dem Mondlandeunternehmen der Nasa, das 1969 die im Selbstzweifel begriffene Nation noch einmal furios zusammengeschweißt hatte, das DOD hatte nun seinen Stempel auf dem neuen Projekt, das Verteidigungsministerium, und deshalb war alles top secret. Die drei Jungs sollten die Augen aufhalten auf dem Mond, ob nicht auch die Russen inzwischen sich heimlich dort herumtrieben.

Apollo18

Nur die Kamera wird überleben: Szene aus Apollo 18.

(Foto: Senator)

Apollo 18 ist anders vor allem deshalb, weil es nie stattgefunden hat, mit Apollo 17 war offiziell Schluss mit der Mondfahrt gewesen, im Dezember '72. Nun aber, heißt es zu Beginn des Films Apollo 18, seien vierzig Stunden Material zu der unglücklichen Mission Nr. 18 aufgetaucht, und man könne aus diesem Material ersehen, warum das ganze damals geheimgehalten und verschwiegen wurde - sogar die drei nie zurückgekehrten Astronauten hat man mit falschen offiziellen "Toden" versehen.

Ein neues Beispiel des Found-footage-Genres also, das durch Filme wie Blair Witch Project oder Paranormal Activity berühmt wurde. Recovered footage, besser gesagt - diesmal aus dem Weltraum: Nasa-Originalmaterial von Start und Landung, zusammenmontiert mit verwackelt dazugedrehten Astronautenköpfen und Space-Schuhen im Mondstaub. Die Russen sind in der Tat präsent, und auch weitere unbekannte, unliebsame Zeitgenossen.

Der Mond schaut hier wie eine Hobbywerkstatt aus, in einer Ecke steht natürlich die amerikanische Flagge, dazu ein paar Kästen und Aufnahmegeräte, und das Fluggerät des Kosmonauten wirkt wild zusammengeschraubt. Der Regisseur Gonzalo López-Gallego und der Cutter Patrick Lussier, ein Kumpel Wes Cravens, gehen angenehm ironisch mit dem Genre um. Der Als-ob-Effekt, die Suggestion von Authentizität ist ihnen nicht besonders wichtig, sie liefern eine schöne melancholische Studie der Einsamkeit des Menschen in der Welt.

López-Gallego hatte zuletzt "El rey de la montaña" gemacht, einen kleinen dichten Horrorfilm, in dem zwei Menschen sich in einer öden Berglandschaft plötzlich von unsichtbaren Jägern beschossen sehen. Um die Tödlichkeit der Perspektiven geht es auch in Apollo 18, found footage meint hier Bilder, die keiner bestellt, konzipiert, initiiert hat. Objektive Bilder, ohne ein Subjekt und seinen Blick, die zeigen, was da ist, wenn wir die Augen abgewendet haben. Den Rücken der Dinge, hat Ernst Bloch das einst genannt.

Regie: Gonzalo López-Gallego. Buch: Brian Miller, Cory Goodman. Schnitt: Patrick Lussier. Mit: Lloyd Owen, Warren Christie, Ryan Robbins. Senator, 86 Minuten.

© SZ vom 18.10.2011/anbo/cag

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