Alben der Woche"Ich hab jetzt paar Scheine zu viel"

Haiyti lässt einen Hauch von Depression erahnen, die Violent Femmes wollen einfach noch ein bisschen auf die Nerven gehen und Lykke Li beugt sich ihrem Schicksal.

Von den SZ-Popkritikern

DJ Snake - "Carte Blanche" (Geffen)

Ganz ungebremst geballert und geprotzt wird dafür auf dem Album "Carte Blanche" (Geffen) von DJ Snake. Der heißt bürgerlich William Grigahcine, ist ein 33-jähriger Franzose, hat Zigmillionen Follower auf Instagram und Facebook und ist das Pariser Pendant zu DJ Khaled. Er ist also ein Pop-Star, der sich nicht damit brüsten kann, einen eigenen Stil geprägt zu haben, der aber trotzdem die meisten Stargast-Auftritte auf seinen Alben hat. Aber warum muss man, wenn man sowohl mit der Rapperin Cardi B wie auch mit der Popsängerin Selena Gomez zusammenarbeiten kann, beide auf einem Song verbraten, wie beim unfassbar dreisten Ohrwurm "Taki Taki"? Na, weil man es kann, und weil noch genug andere Stars vor dem Studio Schlange stehen. Beim düsteren Trap-Hit "Enzo" etwa machen die Rapper Offset, 21 Savage und Gucci Mane mit. Das ist Feature-Maximalismus mit Multiplikator-Garantie, denn so vergrößert sich immer gleich auch die potenzielle Zielgruppe. Mehr ist viel mehr! Vermutlich legt sich DJ Snake deswegen auch nicht auf ein Genre fest: Reggaeton, EDM-Dubstep, französischer Böller-Electro à la Justice - er macht einfach alles. Aber auch nichts schlecht. Und doch ist es unmöglich, das Album am Stück durchhören, wegen Schockgefahr ob der, nun ja, Prallheit dieser Pop-Idee. Von Jan Kedves

26. Juli 2019, 04:492019-07-26 04:49:56 © SZ.de/tmh