Alben der WocheDen Themendiebstahl sauber verhauen

Fettes Brot klauen bei den Falschen, Schandmaul verabschieden in vollbärtigen Zeilen große Seefahrer. Und Vampire Weekend schreiben maßgebliche Refrains für krisenanfällige Zeiten.

Vampire Weekend: "Father Of The Bride" (Sony)

Ihre exzentrischen Kammerpop-Hits haben Vampire Weekend vor zehn Jahren beinahe über Nacht berühmt gemacht. Smarter Collegepop mit Snobverdacht und viel Stilbewusstsein war das damals. Nach einer langen Pause nimmt Bandleader und Universalkünstler Ezra Koenig nun mit "Father Of The Bride" eine überfällige Neuverortung vor: Von der Ost- an die Westküste, von jugendlicher Euphorie mit Popkultur hin zu einem großen, erwachsenen Sound, der sich mit der veränderten Gegenwart auseinandersetzt - krisenanfällige Zeiten verlangen schließlich nach mehr als ein bisschen Banjo-Pop auf Teakholz-Yachten. Aber Ezra Koenig spielt seine Rolle als führender Zeitgeist auch vor derart unheilvoller Kulisse gut: 18 Songs in denen er zwischen Barockpiano und Americana-Folk auf Identitätssuche geht und die Zweifel seiner Generation in ebenso mühelose wie maßgebliche Refrains legt: "I don't wann live like this, but I don't wanna die", heißt es etwa in "Harmony Hill" einem der besonders schönen Arrangements der Platte. Eine Millennial-Erkenntnis, die zwanzig Jahre nach DJ Westbams Knalleransage: "We will never stopp living this way!" wohltuend demütig klingt. Bei aller Zerrissenheit in seiner Lebenswelt, hat Koenig mit "Father Of The Bride" also eine Platte aufgenommen, die als Opus magnum der Band durchgeht. Nicht so flirrend gewitzt wie die frühen Sachen, aber von profunder Schönheit und, wenn es so etwas gibt, munterer Traurigkeit. Von Max Scharnigg

Bild: AP 3. Mai 2019, 06:232019-05-03 06:23:23 © sz.de/biaz