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SZ-Werkstatt:Im Feuersturm

Arne Perras berichtet seit 2013 für die SZ aus dem südlichen Asien. Eine Recherche in den Waldbrandgebieten von Kumpeh in Indonesien hat ihn an Grenzen gebracht.

Wer als Korrespondent die Aufgabe hat, seinen Lesern das Land Indonesien nahezubringen, darf sich erst einmal freuen. Der Staat mit seinen 17 000 Inseln, von Sumatra bis Papua, gleicht einem kulturellen Zauberkasten. Man könnte diese Welt am Äquator ein ganzes Leben lang erforschen, und es käme wohl niemals ein Funke Langeweile auf.

Selten vielfältig sind allerdings auch die bedrohlichen Seiten: Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Erdrutsche, Hochwasser. Gut, wenn man seinen Krisenkoffer immer gepackt hat. Die Gefahren haben mit der Geologie und der geografischen Lage zu tun, aber auch menschliche Einflüsse spielen eine zunehmende Rolle, sie können die Wucht von Naturgewalten noch verstärken, wie der Klimawandel zeigt. Nicht selten ist es sogar so, dass menschliche Eingriffe erst Desaster provozieren, die es vorher in diesen Ausmaßen gar nicht gab. Die Waldbrände auf Sumatra und Borneo sind so ein Beispiel, wie ich auf meiner Reise zu den sogenannten "Hotspots" lernte.

Perras Foto Fires

Ohne Exit-Strategie sollte man besser keinen Vorstoß zum Feuer wagen: SZ-Korrespondent Arne Perras auf Recherche im Waldbrandgebiet bei Kumpeh, Indonesien.

(Foto: Dennis Angga)

An der Feuerfront gilt, was jeden Kriseneinsatz kennzeichnet: Für das Gelingen der Reportage sind die Helfer oft wichtiger als der Reporter selbst. Man kennt das Terrain nicht, braucht Rückhalt und Expertise. So bin ich nicht nur auf einen Feuerexperten angewiesen, der die Lage einschätzt, ich brauche auch einen Pfadfinder, der mich Schritt für Schritt lotst. Nur so ist das Risiko kalkulierbar.

Und noch eine Überlegung gilt es zu beherzigen: Schön, wenn man ans Ziel gelangt. Aber viel wichtiger ist: Wie komme ich danach wieder raus? Ohne Exit-Strategie kein Vorstoß zum Feuer.

Letztlich war es aber dann ein menschlicher Faktor, der mir am meisten zu schaffen machte bei der Recherche. Ich komme gerüstet, habe Schutzbrille und Atemmaske. Und ich bleibe nur kurz. Aber dann stehen da die Kinder in den Dörfern. Schwangere Mütter. Greise. Monatelang stecken sie schon im Qualm, ohne Schutz, sie röcheln und husten, können nirgendwo frei atmen. Man sieht sie noch im Rückspiegel verschwinden, aber die Bilder bleiben. Länger als die Szenen vom Feuer selbst.