SZ-Werkstatt Bei der  Münchner Sicherheitskonferenz

SZ-Ressortleiter Außenpolitik: Stefan Kornelius

(Foto: SZ)

Als der Autor zum ersten Mal dabei war, tagten hundert Teilnehmer an einem Ort. Heute tagt die ganze Innenstadt.

Von Stefan Kornelius

Zum ersten Mal war ich in den sehr frühen 90er-Jahren auf einer Sicherheitskonferenz. Ich war mit großer Wahrscheinlichkeit einer der jüngsten Journalisten dort, und mit großer Wahrscheinlichkeit war Edward Teller der älteste Teilnehmer. Der alte Mann schritt mit einem knotigen Mosesstab über die Flure und trug den zweifelhaften Titel "Vater der Wasserstoffbombe" auf seinen Schultern. Ebenfalls über die Gänge lief ein Mann, der ständig mit sich selbst zu sprechen schien. Es handelte sich um den Botschafter Italiens, der als einer der ersten Menschen in Deutschland das Handy mit einem Kopfhörerkabel verbunden hatte. Das war beeindruckend.

Seitdem hat sich viel verändert, vor allem für Journalisten, die nun auch mit im Saal sitzen. Die Sicherheitskonferenz ist explosionsartig gewachsen. Damals gab es vielleicht einhundert Teilnehmer, heute sind es gefühlt zehnmal so viele. Das stimmt zwar nicht, weil aber die Konferenz inzwischen aus Dutzenden Haupt-, Neben- und Seitenveranstaltungen besteht, weil in allen verfügbaren Sälen der Münchner Innenstadt an diesen Tagen über Außen- und Sicherheitspolitik gesprochen wird, weil die globale Expertengemeinde drei Tage lang redet, redet, redet: Deswegen hat man am Ende das Gefühl, mit Tausenden Menschen gesprochen und einen dicken Schädel zu haben.

Neben dem dicken Kopf hat man als Journalist natürlich ein dickes Notizbuch mit Informationen, Puzzleteilen, Ideen, Hinweisen und neuen Kontakten, die für die nächsten Artikel hilfreich sind. Man hat aber auch das Gefühl, erst mal genug zu haben von den vielen Weltproblemen. Wer die Übersättigung selbst erleben möchte: Anders als zu Tellers Zeiten kann sich heute jeder in den Saal setzen - ganz ohne Security-Check. Die Sicherheitskonferenz (www.securityconference.de) überträgt live.