Verzögerung bei Bundesjugendspielen Auf die Plätze, fertig, warten!

Werfen, laufen, springen und am Ende die Ehrenurkunde in den Händen halten. So sehen die perfekten Bundesjugendspiele aus. Doch weil Horst Köhler zurückgetreten ist, gibt es Probleme.

Von Stefan Lakeband

Nirgendwo liegen Freude und Trauer so nah beieinander wie im Sport. Diese manchmal schmerzliche Erfahrung lernen Kinder und Jugendliche seit 1951 jedes Jahr aufs Neue. Seitdem gibt es die Bundesjugendspiele, die Schulklassen in Sportskanonen und plumpe Grobmotoriker teilen; die Sieger jubeln, die Verlierer weinen.

Laufen, werfen, springen: Die Bundesjugendspiele möchte jeder mit einer Ehrenurkunde krönen. Diese tragen momentan aber die falsche Unterschrift.

(Foto: ddp)

Doch dieses Jahr kommt alles anders: Der Grund ist Horst Köhler, Bundespräsident a. D. Mit seinem Rücktritt hat er nicht nur die politische Landschaft in Deutschland in Aufruhr versetzt, sondern auch bei vielen sportlichen Überfliegern, wenn auch nur indirekt, für Tränen und Enttäuschung gesorgt.

Weil die begehrten und nur für die jungen Spitzensportler reservierten Vordrucke der Ehrenurkunde die Unterschrift des zurückgetretenen Bundespräsidenten tragen, kommt es zur vielleicht größten Rückrufaktion der Bundesjugendspiele. "Die Urkunden sind nur mit der Unterschrift des aktuellen Bundespräsidenten gültig", erklärt ein Sprecher des Familienministeriums, das als Schirmherr für den sportlichen Wettstreit auftritt. Es seien jedoch schon viele Vordrucke mit der Unterschrift von Horst Köhler ausgeliefert worden, die nun nicht mehr verwendet werden könnten.

Eigentlich müsste das Interims-Staatsoberhaupt, Bundesratspräsident Jens Böhrnsen, die Urkunden unterschreiben, doch bis diese gedruckt und an die Schulen ausgeliefert worden seien, hätte auch er Schloss Bellevue wahrscheinlich schon wieder verlassen, so der Sprecher. Deswegen habe man die Absprache getroffen, erst nach der Wahl eines neuen Bundespräsidenten mit dem Neudruck des Schriftstücks zu beginnen. Bis Mitte September werden sich die Besten der Besten im Laufen, Werfen und Springen wohl noch gedulden müssen. Erst dann können sie das besondere Zertifikat mit der Unterschrift des neuen Bundespräsidenten stolz in den Händen halten.

Wie viele junge Sportsfreunde betroffen sind, steht nicht fest. Von den jährlich etwa fünf Millionen Teilnehmern bei den Bundesjugendspielen erhalten etwa eine Million die Ehrenurkunde. Momentan befinde man sich mitten in der Hochphase der Bundesjugendspiele, weswegen es noch keine Zahl gebe, wie viele Urkunden erneuert werden müssen.

Doch des einen Leid ist bekanntlich auch des anderen Freud: Mit seinem Rücktritt hat Horst Köhler, selber ein großer Freund des Sports, auch eine letzte große Tat als Bundespräsident vollbracht. Ein letztes Mal setze er sich für die Kleinen und die Schwachen und in diesem Fall auch die weniger Sportlichen ein. Denn nun werden alle, bei denen es nicht zur Sieger- oder Teilnehmerurkunde reicht, aus dem Schatten der Ehrenurkundler treten, denn ihre Urkunden sind nicht betroffen. Sie werden nur von den Trägern der Bundesjugendspiele unterschrieben. Es ist einer der seltenen Fälle, bei denen es heißt: Die Letzten werden die Ersten sein.