bedeckt München
vgwortpixel

Unterfinanzierte Universitäten:Zustände wie in der DDR

Die Hochschulen in Bayern müssen seit Jahren sparen - bei weiteren Kürzungen sind sie für den doppelten Abiturjahrgang nicht gerüstet.

Die Elite-Universität macht schon etwas her: Die imposanten Gebäude links und rechts der Ludwigstraße sind frisch gestrichen in einem feinen Sandton. Nachts ist die Fassade im Rundbogenstil von farbigen Scheinwerfern illuminiert, davor gleißen im Lampenlicht die Wasserstürze des Springbrunnens. Weit weniger postkartentauglich ist der Anblick nur ein paar Schritte weiter in der seitlich gelegenen Schellingstraße. Dort ragt linkerhand das Betongebirge geisteswissenschaftlicher Institute auf, ein trister Bau. Sicher entscheidet eine Schmuddelfassade nicht über die Qualität einer Hochschule. Vielleicht aber ist der sichtbare Gegensatz kein schlechtes Sinnbild für eine Art Doppelexistenz.

Hörsaal der Uni Saarbrücken

Überfüllte Hörsäle und Seminare gehören zur Tagesordnung an bayerischen Universitäten - der doppelte Abiturjahrgang macht die Situation nicht besser.

(Foto: dpa)

Klar, es gibt an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) die hochdekorierte Spitzenforschung, die Uni gilt als eine der besten im Land. Aber es gibt auch die Niederungen des Massenbetriebs, in dem das Geld vor allem für die Lehre hinten und vorne nicht reicht.

LMU-Präsident Bernd Huber jedenfalls bezeichnet die Hochschule als "chronisch unterfinanziert" - was nicht nur für sein Haus gilt. Auch die anderen Universitäten und Fachhochschulen hat die Wissenschafts- oder besser Finanzpolitik der vergangenen Jahre einigermaßen kurzgehalten. Doch nun drohen unversehens weitere Kürzungen für das letzte Quartal. Den Verbänden, in den sich die bayerischen Unis und Fachhochschulen zusammengeschlossen haben, ist schon das zu viel - angesichts des zu erwartenden Studentenansturms in den kommenden Jahren. Sie drohen, den mit dem Wissenschaftsministerium vereinbarten Ausbau der Hochschulen für den doppelten Abiturjahrgang nicht mitzumachen. Auch CSU-Landtagsabgeordnete um Winfried Bausback, Thomas Goppel und Bernd Sibler fordern im Übrigen nun, die Sparbeschlüsse zu überdenken.

Was aber, wenn es wie befürchtet in den kommenden Jahren noch weit dicker kommen sollte? "Luft ist da nicht mehr drin", sagt Karl-Dieter Grüske, Präsident in Erlangen und Chef des bayerischen Uni-Verbandes. "Jetzt geht es ans Eingemachte." Beispiel LMU: Zum aktuellen Wintersemester haben sich mehr als 46.000 Studenten eingeschrieben. Lehrpersonal bezahlt der Staat dagegen nur für rund 34.500. Das ergeben Kapazitätsberechnungen des Staatsinstituts für Hochschulforschung für das Jahr 2006. Sie gehen allerdings von sogenannten Hochlastbedingungen aus, wenn in geisteswissenschaftlichen Seminaren bis zu 60 Leute sitzen.Verbessert hat sich laut LMU seitdem nicht viel. Und bezogen auf das Raumangebot ist die Diskrepanz zwischen Soll und Ist noch deutlicher.

Kein Wunder also, dass überfüllte Hörsäle ein durchaus typisches Bild sind. In den Lehramtsfächern ging beispielsweise bei einem Psychologieseminar buchstäblich die Tür nicht mehr zu, weil mehr als 150 Studenten daran teilnehmen wollten, ein anderes war zu 400 Prozent überbelegt, berichten LMU-Studentenvertreter. Sie beklagen zudem, dass schon jetzt mit Einnahmen aus Studiengebühren "Löcher gestopft" würden. So finanziere zum Beispiel die Politikwissenschaft einen erheblichen Teil der Lehre damit.

Elite-Unis

Die sechs Gewinner im Porträt

  • Themen in diesem Artikel: