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Unbezahltes Praktikum:Studentin verklagt US-Konzern wegen Ausbeutung

Viel Arbeit, aber kein Geld: Eine Praktikantin hat in den USA den Medienkonzern Hearst verklagt, weil sie nicht einmal den Mindestlohn für ihre Vollzeitarbeit bekam. Ihr Vorwurf: Der Verlag habe sie ausgebeutet.

Vollzeit-Tortur für minimale Bezahlung: Mit dem Bestseller und Hollywood-Film Der Teufel trägt Prada wurde eindrucksvoll vorgeführt, wie Praktikanten und Berufseinsteiger ausgebeutet werden. Arbeiten von früh bis spät, dazu Minimalbezahlung, wenn überhaupt: Dieses Schicksal teilt die "Generation Praktikum". Eine frühere Praktikantin des amerikanischen Modemagazins Harper's Bazaar klagt nun gegen den Hearst Verlag, bei dem neben dem Modemagazin auch Zeitschriften wie die Cosmopolitan oder Seventeen erscheinen. Der Verlag habe sie ausgebeutet, sagt Xuedan Wang.

In einem Musterprozess will die 28-Jährige erreichen, dass den Hunderten Praktikanten in dem Verlagshaus wenigstens der Mindestlohn gezahlt wird. Sie wirft dem Konzern vor, als Praktikantin ausgenutzt worden zu sein, wie die New York Times berichtet. Bis zu 55 Stunden arbeitete sie nach eigenen Angaben in der Redaktion, ohne einen Penny dafür zu sehen.

Zu ihren Aufgaben habe es gehört, die Lieferung und den Versand von Musterkleidern zu organisieren und andere Praktikanten einzuarbeiten. Ihr Studium der Strategischen Kommunikation hatte sie schon 2008 abgeschlossen, 2011 schrieb sie sich für ein Onlinestudium an der Parsons-Designschule ein.

Praktikum zum Nulltarif

Diesseits und jenseits des Atlantiks arbeiten alljährlich Abertausende junge Leute unentgeltlich, um einen Fuß in die Türen der Unternehmen zu bekommen und Kontakte zu knüpfen. Dieser "Generation Praktikum" werden allerlei Aufgaben übertragen, die eigentlich angestellte Mitarbeiter verrichten sollten. Die Anwälte von Wang argumentieren nun, das Praktikum zum Nulltarif verstoße gegen das amerikanische Arbeitsgesetz, den sogenannten Fair Labor Standards Act.

Denn darin ist genau geregelt, wie die Arbeit eines unbezahlten Praktikanten auszusehen hat: Sie darf nur Teil eines Ausbildungsprogramms sein, ein Praktikant darf keinen Angestellten ersetzen und der Arbeitgeber aus der Arbeit nicht direkt Profit schlagen. Bei dem Verlagshaus heißt es, Hearst zahle grundsätzlich keine Gehälter für Praktikanten - sorge aber dafür, dass die Arbeit auf das Studium angerechnet werde.

Eine Einrichtung für Reiche

Unbezahlte Praktikanten seien heute das, was früher Berufseinsteiger waren - nur wurden diese für ihren Job bezahlt, sagt Adam Klein, einer der Anwälte von Wang. Neben dem fehlenden Lohn würden bei Praktikanten auch keine Sozialabgaben bezahlt - und somit hätten die jungen Leute keinen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe.

Und die Studenten in den USA sehen noch ein anderes Problem: Weil sie sich oft mit Tausenden Dollar verschulden, um die Studiengebühren und das Leben am Hochschulort bezahlen zu können, sind sie auf Bezahlung in Praktika angewiesen. "Sonst ist es in Zukunft so, dass nur noch Kinder reicher Eltern eine Chance haben, den Fuß in die Tür zu bekommen - weil sie sich leisten könne, ohne Bezahlung zu arbeiten", heißt es in zahlreichen Kommentaren auf der Seite der New York Times.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art, den die Kanzlei Outten & Golden vor Gericht bringt: Im September reichte die Firma im Namen zweier Praktikanten eine Klage gegen Fox Searchlight Pictures ein - sie hatten ohne Bezahlung für die Hollywood-Produktion Black Swan gearbeitet.