bedeckt München 31°

Studiengang für angehende Uni-Dozenten:Referate verteilen reicht nicht

Viele Nachwuchs-Dozenten machen in Lehrveranstaltungen das, was sie selbst als Studenten erlebt haben. Ein Master in Hamburg will die Lehre professionalisieren. Absolventen erhöhen auch ihre Chancen bei der Berufung zum Professor.

Von Karin Janker

Kerstin Mayrberger leitet den Studiengang Master of Higher Education der Universität Hamburg. Der berufsbegleitende Master ist bundesweit einzigartig und will Wissenschaftler dabei unterstützen, ihre Lehrtätigkeit zu professionalisieren.

SZ: Üblicherweise besuchen Lehrende hin und wieder freiwillige Workshops für die Lehre - wenn überhaupt. Wozu ein Master in Higher Education?

Kerstin Mayrberger: Der Studiengang ist Teil eines umfassenden Qualifizierungsprogramms und stellt eine einzigartige Möglichkeit dar, einen akademischen Abschluss zu erwerben, der auf dem System der Credit Points basiert. Unsere Teilnehmenden lernen, das eigene Lehren und das Lernen der Studierenden zu reflektieren, und erhalten außerdem einen theoretischen Überblick über das Feld der Hochschuldidaktik. In anderen Programmen bieten wir natürlich auch eintägige Workshops oder Coachings.

An den deutschen Hochschulen hat die Lehre meist nicht denselben Stellenwert wie Forschung. Ändert sich das gerade?

Ja, es gibt die Tendenz, dass eine fachliche Weiterbildung in Sachen Lehre relevanter wird, wenn man Karriere an der Hochschule machen möchte. Beispielsweise bei der Berufung von Professoren kann es ein Pluspunkt sein, wenn ein Bewerber nachweisen kann, dass er auch Ahnung von guter Lehre hat. Die Lehre erhält zunehmend einen höheren Status.

An wen richtet sich der Studiengang?

Wir haben pro Jahr etwa 40 Studienplätze und können meistens allen Bewerbern einen Platz bieten. Alle Teilnehmer verfügen über mindestens einen Master-Abschluss, viele befinden sich in der Promotions- oder Post-Doc-Phase, einige sind bereits Professoren. Der Studiengang wird berufsbegleitend angeboten, damit die Studierenden das Gelernte in der Praxis erproben und anwenden können.

Früher waren Lehrende an den Hochschulen oft Autodidakten, für die Lehre galt Learning by Doing. Was ist schlecht an diesem Prinzip?

Die Hochschuldidaktik ist eine eigene Wissenschaft. Jemand, der in Geistes- oder Naturwissenschaften promoviert hat, ist da zunächst einmal fachfremd. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter machen deshalb einfach das, was sie früher als Studierende auch erfahren haben: Referate verteilen zum Beispiel. Dadurch werden die Seminarteilnehmer aber wenig aktiviert.

Was macht gute Lehre aus?

Wichtig ist beispielsweise der Wechsel der Methoden: Im Seminar sollten sich Phasen von Vortrag, Diskussion im Plenum, theoretischer Präsentation und praktischer Arbeit aller Teilnehmer abwechseln. Je aktiver die Studierenden eingebunden werden, desto größer ist ihr Lernerfolg, das haben Studien nachgewiesen. Die Verteilung von Referaten kann sinnvoll sein, muss aber gut begleitet werden und darf nicht zur reinen Vortragskultur geraten.

Sollte die Weiterbildung in Didaktik für Hochschullehrer verpflichtend sein - so wie in anderen Ländern?

Es muss bestimmt nicht jeder einen ganzen Studiengang absolvieren, aber wenn jeder Lehrende regelmäßig Workshops besucht und sich mit Methoden erfolgreicher Lehre auseinandersetzt, wäre viel gewonnen.

© SZ vom 06.11.2014/jobr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite