bedeckt München 24°

Stress im Beruf:Krank vor Sorge

Furcht vor Jobverlust und stetig steigenden Anforderungen - in Zeiten der Krise ist das fast normal. Doch bei manchen Arbeitnehmern wird die Angst zu versagen übermächtig.

Angst vor Arbeitslosigkeit und den stetig steigenden Anforderungen im Job - in Zeiten der Rezession ist das eigentlich schon normal.

Versagensangst im Job: Wer plötzlich viel Verantwortung übernehmen muss, ist besonders anfällig.

(Foto: Foto: dpa)

Manchmal geht die Angst zu versagen aber so weit, dass sie Alltag und Gedanken beherrscht. In diesem Fall steckt eine ernstzunehmende Angsterkrankung dahinter - und die Betroffenen haben professionelle Hilfe nötig.

Versagensangst trete bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen auf, erklärt Professor Andreas Ströhle, leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin. Das seien typischerweise Depressionen und bestehende Angsterkrankungen wie die soziale Phobie und die generalisierte Angststörung.

Gefürchtete Bewertungen

Bei Depressionen äußert sich die Angst allgemein in einer negativen Sicht der Dinge. Erkrankte sind davon überzeugt, dass sie ohnehin nichts können. "Menschen mit sozialer Phobie fürchten sich vor Bewertungen durch andere", sagt Birgit Mauler, leitende Psychologin an der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Die Betroffenen haben Angst, in den Augen anderer zu versagen. Dabei kann es ganz eingegrenzt um die Angst vor Prüfungen gehen. Oder aber der Betroffene fürchtet alle Situationen, in denen er mit anderen Menschen in Kontakt tritt.

Typischerweise komme es dann zu einem Vermeidungsverhalten, erklärt Ströhle. "Das führt in einen Teufelskreis, weil der Erkrankte sich immer mehr zurückzieht." Unruhe, Schlafstörungen oder Verspannungen treten oft als körperliche Symptome auf. Manche versuchten auch, die Angst zu kompensieren, sagt Mauler - sie lernen dann etwa umso härter, um nicht zu versagen.

Für Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, sei der Leidensdruck besonders groß, erklärt Professor Borwin Bandelow von der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. "Alles ist peinlich - auch der nötige Arztbesuch." Viele würden außerdem von der Umwelt nicht als Kranke wahrgenommen und merkten selbst nicht, dass sie krank sind.

Plötzlich viel Verantwortung

Bei einer generalisierten Angststörung haben Betroffene übertriebene Ängste vor vielen alltäglichen Dingen. "Das reicht von der Sorge um den Arbeitsplatz oder die eigene Gesundheit bis zur Frage, ob das Auto noch lange hält", sagt Mauler. Diese Störung trete vor allem in Lebenssituationen auf, in denen die Person plötzlich viel Verantwortung übernehmen muss - etwa beim ersten Job oder der Geburt eines Kindes.

Doch egal, welche Erkrankung zugrunde liegt - Angst sei eigentlich eine natürliche Triebkraft, sagt Bandelow. Menschen mit Angststörungen überschätzten Ängste aber massiv. "Jemand glaubt etwa fest daran, bei einer Prüfung zu scheitern, die er schon viele Male erfolgreich gemeistert hat." Eine gewisse Anspannung vor Prüfungen sei sicherlich normal und habe auch positive Effekte, so Ströhle.

Auf der nächsten Seite: Wie sich die Angst zu versagen behandeln lässt.

Freitod: Opfer der Krise

Unbezahlbar