bedeckt München 28°

"Sticks & Stones"-Jobmesse:Modische Zugeständnisse allein reichen nicht

Einen Abglanz von der Hipness der Veranstaltung erhoffen sich auch diejenigen Messepartner, die sonst eher nicht mit Rockstars und Einhörnern in Verbindung gebracht werden. Die "Sticks & Stones" sei nicht nur für die Nachwuchsgewinnung nützlich, sondern biete auch Gelegenheit, "vom Ärmelschoner-Image der Wirtschaftsprüfungsbranche wegzukommen", sagt Folke Werner, Leiter Recruiting bei Pricewaterhouse Coopers (PwC). "Diese Messe ist anders - vom Dresscode bis zum Duzen, es gibt mehr Nähe und Offenheit", findet Nadja Gruber vom Personalmarketing der Allianz. Auch die Personaler tragen auf der Messe eher T-Shirt als Anzug oder Kostüm.

Modische Zugeständnisse allein reichen allerdings nicht, um sich als offenes und modernes Unternehmen präsentieren zu dürfen: Die Aussteller müssen nachweisen, dass sie tatsächlich Gleichstellung praktizieren. Viele Unternehmen, die auf der Messe vertreten sind, haben interne LGBT-Netzwerke (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender), in denen sich die Mitarbeiter austauschen können.

So gibt es bei PwC Deutschland seit zwei Jahren das Netzwerk "GLEE" (Gays, Lesbians and Everyone Else), dem auch viele heterosexuelle Mitarbeiter beigetreten sind. Das Netzwerk "AllDive" der Allianz mit etwa hundert Mitgliedern ist bisher vor allem in München aktiv und soll jetzt stärker auf die ausländischen Unternehmensbereiche ausgerichtet werden. "Halo", das LGBT-Netzwerk von Freshfields, wurde schon 2002 gegründet, gerade trafen sich die weltweit etwa 120 Halo-Mitglieder am Hauptsitz in London. Für ihre Gleichstellungsbemühungen wurde die Kanzlei schon mehrmals von der britischen Organisation "Stonewall" ausgezeichnet.

Wie offen ist ein Unternehmen tatsächlich?

Kleinere Firmen befassen sich bisher allerdings kaum mit der Gleichstellung sexueller Minderheiten. Und selbst im Diversity Management von großen Unternehmen spielt das Thema eine weit geringere Rolle als andere Kategorien wie Geschlecht, Behinderung oder Ethnie. Das belegte im vergangenen Jahr eine Studie des Völklinger Kreises, des Berufsverbandes schwuler Führungskräfte und Selbständiger. Dabei sei gerade der Umgang mit LGBT auch aus Bewerbersicht oft ein Lackmustest, wie offen ein Unternehmen tatsächlich sei, sagt der Verbandsvorsitzende René Behr.

Als der Völklinger Kreis vor 25 Jahren gegründet wurde, schien es noch ratsam zu sein, einen so diskreten Verbandsnamen zu wählen. Offene Diskriminierung ist seitdem selten geworden. Doch auch indirekte Ablehnung, wie sie der Jurist Max Betz erfahren hat, könne eine große Belastung sein, sagt Behr. "Im Arbeitsleben wird ja sehr oft implizit über sexuelle Orientierung geredet - etwa wenn die Mitarbeiter erzählen, was sie am Wochenende mit dem Ehepartner unternommen haben. In vielen Unternehmen ist es immer noch so, dass schwule Kollegen dann lieber schweigen oder sogar eine Freundin erfinden, die in einer anderen Stadt wohnt." Wer zu "Sticks & Stones" geht, will das nicht.

Die Karrieremesse "Sticks & Stones" findet am 3. und 4. Juni von 10 bis 18 Uhr im Berliner Postbahnhof am Ostbahnhof statt. www.the-rockstar.com

bewerbung

Wie muss ein Bewerbungsschreiben aussehen? | Darf ich im Lebenslauf schummeln? | Was gilt es im Vorstellungsgespräch zu beachten? | Wie läuft ein Assessmentcenter ab? Der Bewerbungs-Ratgeber von SZ.de gibt Tipps.