bedeckt München 19°

Sabbatical:Einmal um die Welt radeln

Um welche Versicherungen muss man sich kümmern?

Bei Arbeitszeitkonten übernimmt der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge komplett, bei unbezahltem Urlaub nur vier Wochen lang. Christian Hajek, der sein Sabbatical auf sechs Jahre ausgedehnt hat und die Internetseite www.ratgeber-aussteigen.de betreibt, rät unbedingt dazu, sich freiwillig krankenzuversichern: Verdient man während der Auszeit weniger als 840 Euro - beispielsweise aus Zinseinkünften oder Mieteinnahmen -, dann koste die gesetzliche Kasse monatlich nur 145 Euro. Hält man sich außerhalb Deutschlands auf, sollte zudem eine Langzeit-Reisekrankenversicherung abgeschlossen werden - denn nur die zahlt einen Krankenrücktransport in die Heimat. Auch eine Haftpflichtpolice sei sinnvoll, sagt Hajek. Und Rente? "Dafür sorge ich lieber selbst vor, statt mich zu versichern"; aber das sei Ansichtssache.

Worauf muss man sonst noch achten?

Die Vereinbarungen mit dem Chef sollten unbedingt schriftlich erfolgen. Der Sabbatical-Vertrag muss beinhalten, wie lange die Auszeit dauern wird und wie hoch der Verdienst währenddessen gegebenenfalls ist. Außerdem gehört hinein, wer für welche Versicherung zuständig ist. Am wichtigsten ist es aber sicherlich, den Wiedereinstieg klar zu regeln; besonders, welche Aufgabe und Position der Rückkehrer dann betreuen soll. "Bei alldem ist essentiell, dass eine gute Vertrauensbasis zwischen den Vertragsparteien besteht", so Arbeitsrechtsexpertin Lale Necati, denn zumindest theoretisch bestehe sonst die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber sich nicht an die Abmachung hält, den Rückkehrer wiedereinzustellen. Dagegen kann man sich durch eine Klausel absichern, die zumindest eine Abfindungsvereinbarung für diesen Fall enthält.

Was können Aussteiger während eines Sabbaticals machen?

Die Motive der Pausierenden sind breit gefächert. Die meisten nutzen die Zeit für eine Weltreise oder für die Arbeit in einem sozialen Projekt. Manche kombinieren das damit, eine neue Sprache zu lernen. Andere promovieren oder machen einen Master; dafür geben manche Unternehmen ihren Aussteigern sogar eine Extra-Finanzspritze.

Wie lang sollte ein Sabbatical sein?

"Um ein sinnvolles Projekt stemmen zu können, sollte man sich schon sechs Monate einplanen", sagt Personalberaterin Langen. Die Obergrenze liege bei einem Jahr: Wer länger weggehe, sei danach nicht mehr genug in Berufsalltag, Projekte und langfristige Planung seines Unternehmens integriert, findet sie.

Wo gibt es weitere Informationen?

Es gibt zahlreiche Internetseiten und Foren zum Thema, hier eine kleine Auswahl: Unter www.aus-innovativ.de/themen/sabbatical.htm finden sich detaillierte rechtliche Informationen von Experten der Universität Köln. Die Seite www.arbeitsratgeber.com/sabbatical_0170.html hat eine ehemalige IT-Beraterin aufgezogen, die sich selbst eine Auszeit zur Weiterbildung nahm. Und unter www.ratgeber-aussteigen.de gibt das Allgäuer Ehepaar Hajek Tipps zur Organisation eines Ausstieges. Die beiden radeln seit 2003 um die Welt.

© SZ vom 29.8.2009/bön
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema