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Rückkehr nach Burn-out:Jetzt mal langsam

Überstunden in Deutschland

Computer und Smartphone sorgen für ständige Erreichbarkeit. Viele Arbeitnehmer verspüren daher Stress.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Zurück in den Job nach dem Burn-out: Die Wiedereingliederung soll Schritt für Schritt gelingen. Doch auch die Einstellung zur Arbeit muss sich ändern.

Verena Gees wertet es als Alarmzeichen: "Heute war ich eineinhalb Stunden länger im Büro als geplant", sagt die Grafikerin aus Berlin. Für viele Berufstätige ist es normal, Überstunden zu machen. Doch Gees kehrt gerade in ihren Job zurück, nachdem sie ein Dreivierteljahr wegen Burn-out krankgeschrieben war. Nun soll sie lernen, selbst Grenzen zu setzen. So hat sie es mit ihrer Therapeutin besprochen.

Wer wie Gees länger als sechs Wochen krank war, hat das Recht auf ein sogenanntes Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM). Dabei wird die Arbeitszeit über einen Zeitraum von mehreren Wochen schrittweise erhöht. Verena Gees fängt mit vier Stunden täglich an.

"Elf Prozent aller Ausfalltage gehen auf psychische Erkrankungen zurück", sagt Ralf Stegmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin und liefert Zahlen im Stakkato: Wer psychisch krank ist, wozu auch Burn-out zählt, fehlt deutlich länger als bei körperlichen Erkrankungen - im Schnitt 28 Tage. Weil die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen seit Jahren steigen, hat die mittlere Dauer der Krankschreibungen seit 2001 um ein Drittel zugenommen. Im Jahr 2013 hatte fast jede zweite Frühverrentung psychische Ursachen. Auch die Kosten von Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Leiden und damit verbundene Produktivitätsausfälle lassen sich beziffern: 8,2 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland.

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In Wirtschaft, Politik und Forschung ist das Problem angekommen. Studien und Initiativen beschäftigen sich damit. Doch in der Praxis tun sich Unternehmen schwer, wenn Mitarbeiter aus psychischen Gründen ausfallen. "Oftmals fehlt das Knowhow. Psychische Erkrankungen stellen für die Betriebliche Wiedereingliederung eine besondere Herausforderung dar", sagt Stegmann, der gerade einen Praxisleitfaden für Betriebe erarbeitet.

Verena Gees sagt, sie sei herzlich aufgenommen worden. Doch niemand hätte sich erkundigt, was die Ursachen für ihren Burn-out gewesen seien. Dabei habe es in der Firma bereits mehrere Burn-out-Fälle gegeben. Fragt man sie schließlich nach dem Warum, sucht sie nach Worten. Am Beruf liege es nicht, der mache ihr Spaß. Sie ist Art-Direktorin, Mitte vierzig, hat mehrere Magazine verantwortet. "Wäre ich nicht in dieser Position gewesen, wäre das nicht passiert", sagt sie.

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