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Pisa: Deutsche Schüler werden besser:Technokratische und überstürzte Reformen gab es genug

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich die Bauherren - also die Kultusminister - in der Planung mitunter ziemlich verzetteln. Sie fangen etwas an, lassen es dann aber halbfertig liegen. So ist es beispielsweise mit den Ganztagsschulen, denen oft das pädagogische Personal, die Gebäude und die Ressourcen fehlen, um wirklich ein gutes Programm bis in den Nachmittag anbieten zu können. Und so ist es bei der Ausbildung der Lehrer, bei der es ein Durcheinander gibt, zu dem der Föderalismus ebenso beiträgt wie das neue Studiensystem mit Bachelor und Master. Auch beim geplanten Bildungspaket für die Kinder von Hartz-IV-Empfängern erschrickt man, wenn man genau nachschaut. Es ist ja gut, wenn Schüler aus ärmeren Familien besser gefördert werden sollen. Ob dafür aber die Jobcenter die richtigen Ansprechpartner sind und man erst eine riesige Bürokratie schaffen muss?

Technokratische und überstürzte Reformen gab es in den vergangenen Jahren schon zur Genüge. Das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium (G8) ist dafür ein warnendes Beispiel. Viele Lehrer, Kinder und Eltern wünschen sich jetzt vor allem Ruhe vor halbgaren Experimenten und stattdessen schnelle, unbürokratische Hilfe und mehr Freiräume für die Schulen. Vor lauter Sorge, bei der Bildung abgehängt zu werden, darf das Lernen außerdem nicht zu einer unerbittlichen Paukerei ausarten. Die Kehrseite der gestiegenen Aufmerksamkeit für Bildung ist der Mangel an Gelassenheit bei der Entwicklung der Kinder.

Viele Drittklässler brechen in Tränen aus, wenn sie im Diktat eine Drei nach Hause bringen. Eltern feilschen mit den Lehrern um Noten, und schon Schüler leiden unter Burn-out. Leider ist manchmal die Besonnenheit gewichen, die eigentlich notwendig ist, damit Kinder sich unbedrängt entwickeln und ausprobieren können. Sie lernen am besten, wenn sie auch Umwege gehen und Fehler machen können, ohne dafür bestraft zu werden; wenn sie geleitet und begleitet und manchmal auch etwas geschoben werden - nicht aber, wenn man ständig an ihnen herumzerrt.

Schulen sind nicht nur Kostenstellen, Prüfungsanstalten und Pisa-Testgelände. Sie sind Orte, in denen Kreativität und Muße und Freude herrschen sollen. Eigentlich müssten die Schulen aussehen wie Paläste, in denen jeden Tag ein Fest gefeiert wird.