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Missbrauch an der Odenwaldschule:Lehrer ohne Kleider

Unbekleidete Lehrer - an der Odenwaldschule muss man das auch wörtlich nehmen. Oft begannen die Übergriffe im Duschraum, beim Waschen, und morgens beim Wecken. Ein Betroffener schildert, wie er davon aufwachte, dass der Schulleiter ihn "wie ein Berserker" oral missbrauchte: "Ich dachte, er beißt mir den Schwanz ab." Der Mann ruft es ins Publikum, laut und zornig. Nichts soll beschönigt werden, die Schule will den Betroffenen zuhören, wie drastisch das Erlebte und die Worte dafür auch sind. In den kommenden Wochen soll es in einer Art "Wahrheitskommission" immer wieder Gelegenheit geben, Betroffene und Beschuldigte zu hören.

Opferanwaeltin: Odenwaldschule verhinderte Aufklaerung

"Keimen und wachsen": Skulptur des Künstlers Daniel Brenner, die vergangene Woche als Ort der Stille und des Gedenkens auf dem Geländer der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim eingeweiht wurde.

(Foto: ddp)

Mehrere Absolventen verlangen jetzt Geld als Entschädigung. Geschäftlich steht die Schule derzeit nicht gut da, es fehlen Schüler und Sponsoren. Doch mit diesem Hinweis wollen sich die Betroffenen nicht abspeisen lassen. Wieder sehe die Schule nur sich selbst und ihr Überleben - "die Opfer sollen leer ausgehen".

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die der Schule als externe Beraterin hilft, hofft auf Zahlungen der Täter. Ob diese dazu bereit sind (sofern sie noch leben), ist jedoch fraglich. Ob die Schule am Ende doch als Institution einspringen wird, ist offen. Nicht alle Betroffenen stehen hinter der Forderung nach finanzieller Entschädigung. Einer nennt dies eine "unanständige Idee", eine "miese Ersatzbefriedigung". Die Krankenkasse habe seine Therapie bezahlt, statt Geld wünsche er sich ein klares Schuldeingeständnis der Täter.

In einem Fall aus dem Jahre 1996 könnte die Schuldfrage demnächst auch vor Gericht verhandelt werden. Eine junge Lehrerin soll im Anschluss an eine Party mit einem damals 13- oder 14-jährigen Schüler geschlafen haben. Anschließend hätten sich die Schüler damit gebrüstet, sie hätten eine Lehrerin "flachgelegt", sagt die Anwältin Claudia Burgsmüller, die die Missbrauchsfälle an dem Internat dokumentiert. Die Lehrerin unterrichte nicht mehr an der Odenwaldschule, sei aber noch im Schuldienst.

Auch wenn der Schüler vielleicht nicht das Gefühl gehabt habe, missbraucht worden zu sein, so handle es sich dennoch um die sexuelle Ausbeutung eines Jugendlichen und Schutzbefohlenen, betont die Juristin. Und wieder habe das Kollegium weggeschaut.