Lohn der Selbständigkeit Kultur der Selbständigkeit

Die Forscher verglichen auch die Einkommen von Gründern drei Jahre nach ihrem Schritt in die Selbständigkeit mit ihrem vorherigen Verdienst als Arbeitnehmer. Die wichtigsten Erkenntnisse dabei: 38 Prozent der jungen Unternehmer verdienen nun mehr als vorher. Bei knapp der Hälfte ist das Einkommen in etwa gleich geblieben. Fast jeder sechste Gründer (17 Prozent) muss sich allerdings mit weniger Geld begnügen.

Besonders auffällig dabei ist, dass es vielen Selbständigen, die als Arbeitnehmer weniger als 1100 Euro oder zwischen 1100 und 2300 Euro netto hatten, gelungen ist, ihr Einkommen zu steigern. "Wer ein Unternehmen gründet, geht ein Risiko ein und muss oft mehr arbeiten als vorher im Angestellten-Status. Dafür gibt es gute Chancen, mehr Geld mit nach Hause zu bringen", kommentiert Ökonom Kritikos diese Zahlen.

Der Wirtschaftsprofessor ist überzeugt, dass sich in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren "eine stärkere Kultur der Selbständigkeit entwickelt hat". So waren 2009 bereits 11 Prozent der erwerbsfähigen Personen als Unternehmer tätig. 1991 galt dies nur für acht Prozent. Dazu trug vor allem der Zusammenbruch der Planwirtschaft in der DDR bei: In Ostdeutschland hat sich die Zahl der Selbständigen zwischen 1991 und 2009 verdoppelt.

Bundesweit ist inzwischen jeder zweite Selbständige als Dienstleister tätig. Der Anteil der Frauen unter ihnen wird immer größer: Fast jeder dritte Unternehmer ist weiblich. 1991 traf dies nur auf jeden vierten zu.

Deutlich zugenommen hat auch die Gruppe der Gründer mit ausländischer Herkunft. Damit wird eine Studie bestätigt, die kürzlich das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichte. Den größten Anstieg haben die DIW-Wissenschaftler bei den Hochschulabsolventen beobachtet. Ihr Anteil an den Selbständigen hat sich während des Untersuchungszeitraums auf 1,25 Millionen mehr als verdoppelt.

"Es ist schon bemerkenswert, dass sich fast jeder fünfte Hochschulabsolvent in seiner weiteren beruflichen Laufbahn irgendwann selbständig macht", sagt Michael Fritsch, Forschungsprofessor am DIW und Mitautor der Studie.

Er hofft, dass in Zukunft "die Qualität der Gründungen weiter steigt". Die Politik müsste sich dafür noch stärker als bisher darum bemühen, die Zahl gut qualifizierter Hochschulabsolventen zu erhöhen und gezielter Programme zu entwickeln, Gründer zu qualifizieren. Dies könne letztlich dazu beitragen, "neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen".