Kulturelle Unterschiede unter Kollegen:Unkomplizierte Russen

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Um auch mittelständische Betriebe zu animieren, Ausländer in Top-Positionen zu holen, um von den Synergien gemischter Teams zu profitieren, hat Henkel den "Deutschen Diversity Preis" ins Leben gerufen. Vergeben wird er erstmals in diesem Jahr - in vier Kategorien, damit auch kleinere Unternehmen eine Chance haben.

Denn nicht nur in Konzern-Spitzenteams sitzen zunehmend Manager, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sondern auch in kleineren Unternehmen. Ein Beispiel: Konstantin Nikulin wurde 1970 in der UdSSR geboren. In seiner Jugend hatte er ein für Sowjetzeiten typisches Vorurteil gegenüber Deutschen: "Das sind alles Kapitalisten." 1997 kam er im Rahmen eines Wirtschaftspraktikums, das von der Handelskammer Hamburg organisiert wurde, für drei Monate in die Hansestadt. Ein Jahr darauf gründete er in Kaliningrad eine Computerspiele-Firma, die ein paar Monate später mit ihrer Zentrale nach Hamburg zog, "weil die Deutschen in der Vermarktung von Produkten stärker sind".

Heute sitzt Nikulin - neben drei Deutschen - im Management-Team seiner Firma Intenium, ein Marktführer bei Internet-Spielen. Andere Spitzenleute kommen aus Frankreich oder der Ukraine. "Die Deutschen analysieren bei Problemen genau ihre Fehler und arbeiten komplizierte Lösungsvorschläge aus", weist Nikulin auf eine Schwäche hin. "Dabei können Stunden draufgehen, und am Ende sind sie nicht viel klüger."

Die Russen seien unkomplizierter: "Sie sagen sich, was passiert ist, ist passiert. Und dann packen sie zu." Und Russen hielten an einer Idee länger fest, während die Deutschen "immer Präzedenzfälle, Argumente und Begründungen brauchen, bevor sie Entscheidungen treffen". Nikulin glaubt, dass der interkulturelle Mix in seiner Führungsmannschaft für den Erfolg seiner Firma entscheidend ist: "Die Stärken der Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturen addieren sich nicht nur, sondern multiplizieren sich auch."

Dass es ausländische Spitzenkräfte oft schwer haben, in deutsche Geschäftsleitungen einzusteigen, hat Fode Youssouf Minthe festgestellt: Der 1969 in Mali geborene Ingenieur arbeitete acht Jahre lang in deutschen Betrieben der Erneuerbaren-Energien-Branche - hauptsächlich als Projektmanager. Dann entschloss er sich, sein eigener Chef zu werden. In den Geschäftsleitungen der Zweigstellen arbeiten Spanier, Franzosen und Deutsche. Minthe kritisiert die traditionellen Hierarchien in vielen deutschen Firmen: "Die Personaler denken oft zu kurz. Während in Amerika das zählt, was man leistet, zählt in Deutschland noch immer, woher man kommt."

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