Knigge im Restaurant Warum Spaghetti bei Geschäftsessen tabu sind

Ob im Restaurant oder beim Dinner im kleinen Kreis: Wer sich mit Vorgesetzten oder Kunden zum Geschäftsessen trifft, muss zahlreiche Fettnäpfchen umschiffen. Die zehn besten Tricks, um mit Auftreten und Tischmanieren zu punkten.

Geschäftsessen gehören in vielen Berufen und Branchen zum Arbeitsalltag. Doch es ist gar nicht so einfach, im Restaurant oder bei einem privaten Dinner immer den richtigen Ton zu treffen und sich angemessen zu verhalten.

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Warum dezent, wenn es auch laut geht?

Der Ort des Geschehens

Wer ein Schnellrestaurant mit Selbstbedienung vorschlägt, macht gleich den ersten Fehler. "Dort wird es schwer, eine Gesprächsatmosphäre zu erzeugen", sagt Stiltrainer Jan Schaumann aus Berlin. Grundsätzlich gelte: Derjenige, der die Einladung ausspricht, übernimmt die Restaurantwahl. Und er bezahlt meistens auch die Rechnung. Als Einladender sollte man darauf achten, die Initiative zu übernehmen und für den anderen mitzudenken, rät der Knigge-Experte. Die Person, die einlädt, sollte etwa in Erfahrung bringen, ob der andere Vorlieben hat oder bestimmte Speisen nicht so gern mag. Im Zweifelsfall passe der gehobene Italiener - dort gibt es mit Fleisch, Fisch, Pasta, Pizza, Salaten und Suppen eine gute Auswahl.

Der Dress-Code

Ein Geschäftsessen ist in erster Linie ein Geschäft und in zweiter ein Essen, sagt Schaumann. Dementsprechend sei Geschäftskleidung zu diesem Anlass angemessen. Teils sei es aber legitim, sich an die Örtlichkeit anzupassen. Lädt der Chef ins rustikale Restaurant ein, darf die Garderobe lässiger sein. Im Zweifel dürfe man den Chef nach der Kleiderordnung fragen.

"Mit einem Sakko können Männer nichts falsch machen", sagt Imme Vogelsang von Etikette Trainer International (ETI) in Hamburg. Dasselbe gelte bei Frauen für Blazer, Anzug und Kostüm. Bluse und T-Shirt eigneten sich in eher entspannter Runde. Entscheidend ist die Zeit des Essens. "No brown after six", keine braunen Schuhe nach 18.00 Uhr, sei eine immer noch gültige Business-Etikette-Regel. Schwarz ist Vogelsang zufolge die Schuhfarbe am Abend. Für das Sakko gilt das nur bedingt: "Hier sollte man auf dunkle Töne wie Blau oder Grau setzen." Schwarz sei zwar sehr elegant, für das Essen aber zu festlich. Das Hemd darf hellblau sein, am Abend lieber weiß.

Beim Essen sollte zudem leichte, nicht zu warme Kleidung getragen werden, rät Stiltrainer Schaumann. Eventuell darf die Krawatte sogar im Schrank bleiben. Denn Ausziehen geht gar nicht: "Was man bei der Vorspeise trägt, trägt man auch beim Dessert."

Zu früh beim Geschäftsessen

Wenn der Gastgeber noch nicht im Restaurant ist, sollte sich der Gast in Zurückhaltung üben: Man sollte beim Kellner noch kein Getränk ordern, rät die Etikette-Trainerin Vogelsang. Es sei keine gute Idee, sich während des Wartens etwa ein Wasser kommen zu lassen. Noch schlimmer ist es, gleich einen Wein zu bestellen. Denn den Wein zum Essen auszusuchen, sei stets Sache des Gastgebers. Allerdings müsse der Mitarbeiter nicht die ganze Zeit im Eingang stehen bleiben. "Hinsetzen darf man sich schon".

Die Sitzordnung

Gibt es keine festgelegte Sitzordnung, wählen Beschäftigte besser nicht die Plätze am Kopfende oder in der Mitte des Tisches. Denn das sind Plätze, die eher dem Gastgeber gebühren. Wenn dieser erscheint, gehört es außerdem dazu, dass sie wieder aufstehen, um ihn zu begrüßen. Dabei gibt der Gastgeber vor, ob das mit einem Handschlag geschieht oder ob darauf verzichtet wird. Der Gast streckt ihm also nicht zuerst die Hand entgegen. Damit derartige Fauxpas gar nicht erst passieren, sei aber auch der Gastgeber gefragt: Er sollte immer vorher da sein, um die ersten Gäste zu empfangen.

Der Gastgeber gibt das Startsignal

Bei einem geschäftlichen Essen gibt der Gastgeber das Startsignal. Vor ihm mit dem Essen anzufangen, sei grob unhöflich, sagt Vogelsang. Werden im Restaurant zum Beispiel Vorspeisen serviert, dürften Mitarbeiter nicht gleich zugreifen. Vielmehr müssten sie warten, bis der Gastgeber das Essen eröffnet. Das könne er explizit tun, indem er sagt: "Lassen Sie es sich schmecken!". Oder er nimmt das Besteck in die Hand und beginnt etwa, sich etwas von der Vorspeisenplatte aufzutun. Dann dürften die anderen es ihm gleichtun.

Auch wenn Einzelne schon ihr Hauptgericht serviert bekommen haben, müssen sie sich zunächst in Geduld üben, wenn andere noch auf ihr Essen warten. Denn es ist unhöflich, anzufangen, bevor alle etwas haben, erklärt Vogelsang. In so einer Situation sei es dann wiederum Sache des Gastgebers, die Initiative zu ergreifen und das Zeichen zum Start zu geben. Er könne dann zum Beispiel sagen: "Das wird ja kalt, fangen Sie doch schon an!" Dann dürfen Mitarbeiter ruhigen Gewissens zugreifen.